Von "Bratenwender" bis Schwungrad - Erfindungen da Vincis in Gießen
Von Sonja Riedel,
17.06.2012
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Andreas Krall als Severinus (l) und sein Gehilfe Uwe Thelen als Ludovico führen im Mathematikum in Gießen das hölzerne Vinci-Rad vor. Mehr als 30 von Leonardo da Vinci entworfene Maschinen zeigt die Sonderschau des Gießener Mathematikums bis Mitte September. Foto: dpa
Wer schon immer mal die Erfindungen Leonardo da Vincis ausprobieren wollte, hat nun in Gießen Gelegenheit dazu. Im Mathematikum werden mehr als 30 Modelle gezeigt. Studenten haben sie gebaut.
Gießen. Mit beiden Händen dreht Ina Weber kräftig am Schwungrad. Die Holzsäule in der Mitte setzt sich in Bewegung. Vier daran befestigte Kugeln fliegen an ihren Metallketten hoch und schwingen im Kreis herum. Ina Weber nimmt ihre Hände wieder herunter und sieht begeistert den fliegenden Kugeln zu. Sie hat gerade eine Maschine ausprobiert, die sich der Erfinder und Bildhauer Leonardo da Vinci (1452-1519) ausgedacht hat. Mehr als 30 Nachbauten seiner Werke sind in einer Wanderausstellung zu sehen, die am Samstag im Gießener Mathematikum eröffnet wurde. Dazu gehören Flug- und Messgeräte sowie Fahrzeuge, Maschinenelemente und Musikinstrumente.
Besucherin Ina Weber gefällt das Schwungrad besonders gut. "Es erinnert mich an Karussellfahrten aus meiner Kindheit", erzählt sie. Das Schwungrad dient dazu, kinetische Energie zu speichern, die bei einer Drehbewegung entsteht, ist auf einer Tafel an dem Modell zu lesen. Das bekannteste Beispiel für ein Schwungrad ist die Töpferscheibe.
Nebenan dreht Ausstellungsgast Katharina Werner an einer Handkurbel. Ein Zahnrad setzt sich in Bewegung. Ein kleiner Felsbrocken wird an einem Seil in die Höhe gezogen. "Es fasziniert mich, dass Leonardo da Vinci sich das zu seiner Zeit schon so vorstellen konnte", sagt sie.
In jeden einzelnen Zahn des Rades greift ein stumpfer Haken und verhindert so, dass es sich wieder zurück dreht. Dieser Mechanismus heißt Sperrklinke. Mit der Erfindung konnten einst Schiffe, Pferdewagen und Katapulte mit schweren Lasten beladen werden. Heutzutage wird die Sperrklinke etwa bei Seilwinden eingesetzt. "Leonardo da Vinci hat unglaublich viele Erfindungen gemacht", sagt der Direktor des Mathematikums, Albrecht Beutelspacher, bei der Eröffnung der Schau, die noch bis Mitte September gezeigt wird.
Studenten der Fachhochschule Bielefeld haben die Modelle nach Entwürfen da Vincis angefertigt. Zu den amüsanten Maschinen gehört der sogenannte Bratenwender. Eine Luftturbine soll dafür sorgen, dass sich ein Schwein am Spieß über dem Feuer dreht. Ob die relativ kleine Turbine den Wender und das Schwein tatsächlich bewegen könnte, muss noch getestet werden, informiert eine Tafel an dem Modell.
Zur Eröffnung führen die Mittelalter-Künstler Severinius und sein Gehilfe Ludovico alias Andreas Krall und Uwe Thelen das Vinci-Rad vor. Es hat einen Durchmesser von zwei Metern und besteht aus 48 Holzteilen. "Das ist eine Besonderheit, weil es ohne Nägel, Schrauben oder Kleber zusammen gesetzt wird", erklärt Beutelspacher. Severinius und Ludovico bauen die einzelnen Holzteile zusammen. Der Gehilfe klettert auf das Rad und wieder herunter. Dann entfernt er ein Bauteil und schlägt gegen das Rad - innerhalb von Bruchteilen kracht es in sich zusammen.