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Reimann-Oper «Medea» erstmals in Deutschland
05.09.2010
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Oper FrankfurtOper Frankfurt
Frankfurt. Es war ein Wagnis für die Oper Frankfurt: Als erste Premiere der Saison hat das Haus am Sonntagabend die zeitgenössische Oper «Medea» von Aribert Reimann gezeigt. In dem erst vor wenigen Monaten in Wien uraufgeführten Werk verarbeitet Reimann wie in allen seinen Opern einen literarischen Stoff.

In diesem Fall greift er auf das gleichnamige Schauspiel von Franz Grillparzer zurück, das die altgriechische Geschichte um Medea, Jason und das Goldene Vlies thematisiert. Regisseur Marco Arturo Marelli verlegt die Handlung auf eine Lava-Landschaft, über der wie ein weißer Würfel der Palast des Korintherkönigs Kreon schwebt.

Entsprechend statisch wirken die zwei Aufzüge, denn auf der Bühne tut sich wenig. Von dem weißen Kubus fährt ab und an eine Stahltreppe herab und verbindet die beiden Welten miteinander. Auf der Lava- Landschaft purzeln ein paar Gesteinsbrocken umher und Kreons Palast öffnet sich einmal und gewährt einen Blick in sein Inneres.

Stattdessen spannt Marelli farbige Räume auf: Da ist zum einen der weiße Palast, Kreon und Kreusa tragen weiße Gewänder, auch Jason ist in weiß gekleidet. Dem gegenüber stehen Medea und ihre Amme Gora. Ihre Farbe ist das Rot. Die Farbe des Feuers und der Lava. Und als sich im Laufe der Geschichte Medeas Kinder immer mehr Kreusa zuwenden, tragen auch sie reine, weiße Anzüge.

Auch musikalisch erscheint die Oper über weite Strecken statisch. Der 1936 geborene Reimann legt sein Werk erzählend-deklamatorisch an. Keine Arien und Duette - stattdessen eine Art Sprechgesang, der jede einzelne Silbe mit vielen Tönen ausgestaltet.

Im August vergangenen Jahres erst schloss der Komponist, der zurzeit zu den gefragten in Deutschland zählt, die Arbeit an seiner «Medea» ab. Im Februar folgte die Uraufführung an der Staatsoper in Wien, deren Inszenierung die Oper Frankfurt jetzt übernimmt - das Stück ist also dicht am Puls der Musikgeschichte, die ihre Phase der schrillen Dissonanzen endgültig abgelegt zu haben scheint.

Intendant Bernd Loebe sieht «Medea» als Paukenschlag, der einen der Eckpfeiler der Spielzeit 2010/11 markieren soll. Denn das Haus will sich auch in dieser Spielzeit unter anderem wieder mit zeitgenössischen und selten gespielten Opern von der Konkurrenz abheben will: «La Wally» von Alfredo Catalani etwa oder «Kullervo» von Aulis Sallinen oder auch «Murder in the cathedral» von Ildebrando Pizzetti. Damit hat Loebe seit seinem Amtsantritt 2002 schon mehrfach die Kritiker-Auszeichnung «Opernhaus des Jahres» eingefahren.

Ob sich derart langatmig dahinschleppende Opern den Zeitgeist treffen, mag dahingestellt sein. Zumindest aber dem Premierenpublikum hat es gefallen. Es feierte vor allem Claudia Barainsky als Medea und Ensemble-Mitglied Michael Nagy als Jason.


Weitere Informationen im Internet:

» www.oper-frankfurt.de


Hintergrund-Informationen im Regional-Lexikon:
» Stichwort: Oper Frankfurt

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