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Abgehoben: Luftschifferin Käthe Paulus begeisterte die Massen
Von Monika Hillemacher, 27.07.2010
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Plakat: Käthe PaulusPlakat: Käthe Paulus
Mainhausen. Matrosenanzug, Pluderhose, kniehohe Schnürstiefel: Schon das für eine Frau außergewöhnliche Outfit von Käthe «Kätchen» Paulus faszinierte das Publikum der Jahrhundertwende. Abertausende Menschen bewunderten die 1868 in Mainhausen bei Seligenstadt geborene Paulus bei ihren spektakulären Auftritten in ganz Europa.

Eine Chronik verzeichnet an die 700 Ballon-Aufstiege und 165 Fallschirmsprünge. Sie starb am 26. Juli 1935 in Berlin an Krebs. Sie wurde in einem Ehrengrab beigesetzt.

Zum ersten Mal ging Käthe Paulus 1893 in Nürnberg in die Luft. Ihr Geschäfts- und Lebenspartner Hermann Lattemann nahm sie mit in seinem Ballon, kurz danach sprang sie aus dem Ballon an einem Fallschirm in die Tiefe - als erste Frau.

Nach der gelungenen Premiere tingelte das Paar, das sich in Wiesbaden kennengelernt hatte, durchs Land, um seine Kunststücke gegen Geld vorzuführen. Ein Jahr später kam Lattemann bei einem Absturz ums Leben; wiederum ein Jahr danach starb der gemeinsame Sohn.

Paulus flüchtete in die Arbeit. Sie kaufte mehrere Ballone, mit denen die «Berufsluftschifferin» in 88 Städten abhob, darunter London, Paris, Wien, Berlin. An Paulus Wohnort Frankfurt lockten die Aufstiege sonntags die Ausflügler scharenweise in den Zoologischen Garten.

Nicht immer lief während der Spektakel alles glatt. In Neu-Isenburg, so berichtet ein von der Gemeinde Mainhausen herausgegebenes Gedenkblatt, pflückte die Feuerwehr «Kätchen» aus einer Baumkrone. In Budapest soll sie nach einer missglückten Landung eine Strafe für einen beschädigten Kandelaber berappt haben.

Die Unternehmerin baute ihr Geschäft systematisch aus. Als Flugzeuge und Zeppeline ihrer Ballon-Schau zunehmend Konkurrenz machten, bot Paulus Werbe- und Passagierfahrten an.

Die gelernte Näherin schneiderte außerdem Ballonhüllen und Fallschirme in Serie. 1909 baute sie als einzige Frau einen Verkaufsstand auf der ersten Internationalen Luftschifffahrt-Ausstellung in Frankfurt auf.

Seit dem Tod ihres Lebensgefährten Hermann Lattemann hatte sich Paulus intensiv mit der Sicherheit der Fallschirme beschäftigt. Sie entwickelte das Grundmodell des bis heute eingesetzten Paket- oder Rettungsfallschirms. Ihre Werkstatt in Berlin fertigte zahlreiche solcher Fallschirme und etliche Ballone, auch für das Militär. Sie kamen im Ersten Weltkrieg zum Einsatz.

«Sie hat die Emanzipation nicht erfunden, sie hat sie gelebt», stellte die Bürgermeisterin von Mainhausen, Ruth Disser, in dem Gedenkblatt fest. An die berühmte Luftschifferin erinnern eine nach ihr benannte Grundschule im Ortsteil Zellhausen. Dort ist ihr Geburtshaus erhalten. Der örtliche Luftsportverein hat eine Halle nach der Paulus benannt.

Im Ballonsport bilden Frauen immer noch eine Ausnahme. Unter den rund 2000 Mitgliedern des Deutschen Freiluftballonsport-Verbands (DFSV) gibt es nur wenige Pilotinnen. «Sie verstehen sich durchaus als Enkelinnen von Paulus», sagt Vizepräsident Uwe Schneider aus dem mittelhessischen Hüttenberg.

Immerhin, so der mehrmalige Vize-Weltmeister, wurde in diesem Jahr zum ersten Mal eine Frauen-Europameisterschaften im Heißluftballonfahren ausgetragen. Von den 38 Starterinnen kamen zwei aus Deutschland. Voraussichtlich steigen 2012 hierzulande die ersten Damen-Weltmeisterschaften.


Weitere Informationen im Internet:

» www.ballon.eu

» www.mainhausen.de

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