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Neuer Glanz für Frankfurts Karmeliterkloster
Von Thomas Maier, 10.06.2010
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KarmeliterklosterKarmeliterkloster
Frankfurt. Das Frankfurter Stadtbild, geprägt durch die modernen Bankentürme, hat seine historischen Wurzeln noch nicht ganz verloren. In einem stillen Winkel der Innenstadt befindet sich das Karmeliterkloster, dessen berühmter mittelalterlicher Kern im Zweiten Weltkrieg den Bomben zum Opfer fiel.

Mit einem Aufwand von 7,1 Millionen Euro wurde das Kleinod, das seit 1959 das Stadtarchiv beherbergt, nun in vier Jahren komplett saniert. An diesem Freitag (11.6.) wird die offizielle Neueröffnung des Instituts für Stadtgeschichte - so heißt das Stadtarchiv seit 1992 - mit einem Fest gefeiert.

Im Kreuzgang des denkmalgeschützten Klosters sind die Bilder des Malers Jörg Ratgeb restauriert worden. Sie gehören zu einem der größten vorbarocken Wandzyklen, die Anfang des 16. Jahrhunderts nördlich der Alpen geschaffen wurden. Von dem monumentalen Wandbildern ist aber nur noch ein kleiner Teil erhalten, darunter auch im Refektorium (Speisesaal) des Klosters, einem der ältesten Räume, die Frankfurt noch zu bieten hat.

Das Karmeliterkloster, auch bei Einheimischen eher ein Geheimtipp, ist dank der sorgfältigen Restaurierung zu einem der schönsten Orte in Frankfurt geworden. Dass gerade dieses geschichtsträchtige Bauwerk das Stadtarchiv beherbergt, ist eine treffliche Fügung. «Wir sind das Gedächtnis der Stadt», sagt die Leiterin des Instituts für Stadtgeschichte, Evelyn Brockhoff.

Dank der Sanierung haben nicht nur Forscher in dem kommunalen Archiv, das zu den bedeutendsten in Deutschland gehört, neue Möglichkeiten. Das Institut für Stadtgeschichte, das jährlich von fast 100 000 Menschen besucht wird, kann sich künftig ganz anders präsentieren - etwa für Konzerte im prächtigen Kreuzgang. Bisher gab es dort lediglich eine Steckdose.

Die Schatzkammer - die sogenannte Privilegienkammer - des Stadtarchivs beherbergt die berühmte «Goldene Bulle» von Kaiser Karl IV. aus dem Jahr 1356. Darin wurde Frankfurt zur Wahlstätte der deutschen Könige und Kaiser bestimmt. Die «Goldene Bulle» ist noch bis zum 20. Juni in einer Ausstellung im Refektorium des Klosters zu sehen, die sich der Frankfurter «Alten Brücke» widmet. Sie war eine der ersten steinernen Brücken im deutschen Reich.

Zu den absonderlichsten Besitztümern des Archivs gehört die Schere, mit der die Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt einst die Nabelschnur ihres Kindes durchschnitt. Die Frankfurter Magd, die ihr Neugeborenes tötete und dafür 1772 auf dem Schafott an der Hauptwache hingerichtet wurde, diente Goethe als Vorbild für die Gretchen- Tragödie im «Faust».

Die Gründung des Klosters geht auf die Karmeliter, einen Kreuzfahrerorden, im 13. Jahrhundert zurück. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erlebte das Kloster dank Spenden von Bruderschaften und Frankfurter Patrizierfamilien seine große Blüte. 1515 erhielt der schwäbische Maler Ratgeb dann den Auftrag, den gesamten Kreuzgang auszumalen.

1803 wurde das Kloster im Rahmen der Säkularisierung aufgelöst. Es diente dann dem Militär, der Kreuzgang wurde das Quartier für die Pferde. Nach der weitgehenden Zerstörung 1944 im Bombenhagel der Alliierten wurde das Kloster Kloster in Etappen wiederaufgebaut. In der ebenfalls wiederaufgebauten Klosterkirche ist das Archäologische Museum untergebracht. Durch die Sanierung hat die gesamte Klosteranlage einen einheitlichen weißen Anstrich erhalten. Damit wird auch das Ensemble wieder erkennbar.

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