Tausende bei Firmenlauf
Rösler läuft nicht mit
Von Petra Spescha,
09.06.2010
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JPMorgan Chase Corporate Challenge 2010
Frankfurt. Dass Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler zwar das Signal zum Start gibt, aber nicht selbst mitläuft, findet Sabine Rausch schade. «Er sollte mit gutem Beispiel vorangehen», sagt die Lufthansa-Buchhalterin, die wie jedes Jahr zum weltgrößten Firmenlauf angetreten ist. 72.000 Menschen sind am Mittwoch in Frankfurt auf die 5,6 Kilometer lange Strecke gegangen.
Bereits Stunden vor dem Startschuss zum 18. JP Morgan Corporate Challenge (JPMCC)-Lauf sieht man in ganz Frankfurt Menschen in Laufschuhen, kurzen Hosen und bunten T-Shirts herumlaufen. Sie haben Sprüche wie «Dumm gelaufen?» oder «Bitte folgen» auf dem Rücken, die Startnummer sorgfältig auf den Bauch gepinnt. An der alten Oper geht es los.
Aus den Lautsprechern tönt der Beatles Klassiker «Twist and Shout» und Jennifer Van Ongevalle singt laut mit. Die 23-Jährige, die seit drei Jahren regelmäßig läuft, ist zum ersten Mal dabei: «Weil's einfach Spaß macht!» Ihr Team von der Fresenius-Hochschule hat sie zwar noch nicht gefunden, dafür aber mit Läuferinnen aus anderen Teams bereits Freundschaft geschlossen - ganz im Sinne des Veranstalters; steht doch der diesjährige Firmenlauf unter dem Motto «The Friendly Competition» (Der freundliche Wettbewerb).
Ums Wir-Gefühl geht es auch Katja Ripper (35) und Sabine Rausch (48). Die beiden Lufthansa-Buchhalterinnen sind «Wiederholungstäter» und direkt von ihrer Arbeitsstelle am Frankfurter Flughafen zum JPMCC-Lauf gefahren. Rausch ist wegen der tollen Atmosphäre dabei, wie sie sagt. Eine persönliche Bestleistung peilt die leidenschaftliche Läuferin an diesem Tag nicht an; ihr geht es darum «die Stimmung mitzunehmen». Und die ist auf dem von der US-Bank JP Morgan organisierten Ereignis riesig.
Am Start schicken die rund 700 000 Teilnehmer eine Laola-Welle durch die Stadt und Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) übt schon mal die richtige Pose für den Startschuss, mit dem er in wenigen Minuten den Lauf für den guten Zweck eröffnen wird. Rund 218 000 Euro sind dieses Jahr zugunsten der Stiftung Deutsche Sporthilfe zusammengekommen.
Mitlaufen will der zuletzt gerupfte Jungstar der FDP aber nicht. Er hätte gerne für den Firmenlauf trainiert, aber keine Zeit dazu gefunden, sagt er. Auf seine schlanke Figur angesprochen bekennt der Hannover 96-Fan: «Mir fehlt die Zeit zum Essen, deshalb bin ich so schlank, nicht vom Sport.»
Und dann geht es auch schon los: Auf Kommando des Ministers startet der 5,6-Kilometer Lauf und plötzlich wuseln sie alle bunt durcheinander: Geschäftsführer, Sekretärinnen, Abteilungsleiter und Aushilfen, Profisportler, Prominente und sogar einige buddhistische Mönche. Es ist drückend heiß in der Main-Metropole und dennoch sind tausende Menschen gekommen, um die Läufer anzufeuern. Frankfurts Innenstadt ist eine große Party.
Im Ziel warten aufgehäuft auf langen Tischen bereits 75.000 Bananen, 3.000 Äpfel und 135.000 Liter Getränke auf die Sportler. Die schnellsten unter ihnen sind bereits nach knapp 17 Minuten im Ziel. Die Zeiten der Teams und Prominenten wie Extremsportler und Musiker Joey Kelly, Fechterin Cornelia Hanisch und der Ringer Alexander Leipold und Jens Gründling werden erst in zwei Tagen feststehen. «Die deutsche Mentalität will immer Sieger präsentiert sehen», sagt JPMCC- Pressesprecherin Angelika Müller. Aber darum gehe es heute nicht: «Es geht um das Team, um ein Miteinander».
So sieht das auch Ingo Meiners. Der 27-jährige Doktorand ist noch nicht lange bei der Firma BayerCorpScience und hofft, so neue Leute kennenzulernen. «Das ist ein tolles Ereignis. Das muss man erlebt haben», sagt er. Was nach dem Zieleinlauf an diesem Tag noch ansteht? Auf jeden Fall Grillen und ein bisschen Party. Er muss zwar morgen arbeiten, aber «ein paar Bier gehen immer».