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«Godfather» des Musikbusiness: Fritz Rau wird 80
Von Thomas Maier, 08.03.2010
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Konzertveranstalter Fritz RauKonzertveranstalter Fritz Rau
Frankfurt. Rund 6000 Konzerte hat Fritz Rau in seinem Leben organisiert. Er hat Bob Dylan, die Rolling Stones und Madonna nach Deutschland gebracht. Mick Jagger nannte Rau, der am 9. März 80 Jahre alt wird, einmal den «Godfather» (Paten) des Musikbusiness.

In der Heimat betreute Deutschlands wohl bekanntester «Kartenverkäufer» jahrzehntelang Howard Carpendale, Nana Mouskouri, Peter Maffay oder Udo Lindenberg genauso wie die Jazz-Brüder Albert und Emil Mangelsdorff.

Der für seine zupackend-direkte Art bekannte Rau war für viele Prominente schon immer mehr als Geschäftspartner - er ist mit einigen Künstlern bis heute eng befreundet. «Ich wollte ein Konzert mit Musikern, mit denen ich in Deutschland jahrzehntelang gearbeitet habe», sagt Rau zur Geburtstags-Gala.

Seine Erinnerungen an die Großen der Branche hat Rau in einem 2005 erschienenen Buch («50 Jahre Backstage») geschildert. Seitdem reist er quer durch die Republik und hat - begleitet von einem Musiker - in rund 400 Vorträgen inklusive Diashow über sein abenteuerliches Leben berichtet.

20 Jahre lang tourte Rau mit den Rolling Stones durch Deutschland, die er 1962 in England bei der von ihm organisierten Europa-Tour des «American Blues and Folk Festival» kennenlernte.

Der damals noch unbekannte Jagger lungerte zusammen mit Keith Richards und Brian Jones hinter der Bühne («Backstage») herum. Dort trafen sie ihre hochverehrten Idole wie den US-Bluesmusiker Muddy Waters.

Wie beim Blues zählt für Rau in der Musik vor allem das Herzblut eines Künstlers. Wie wenige andere hat er schon früh verstanden, dass die vor allem in Deutschland gepflegte Trennung zwischen «ernster» Musik und «unterhaltender» Musik Unsinn ist. Leute wie Howard Carpendale oder Peter Alexander seien hervorragende Entertainer.

«Der Künstler muss sein Bestes geben», fordert Rau. Beim Schielen auf das, was gerade «in» sei wie etwa in der TV-Sendung «Deutschland sucht den Superstar» erkennt er lediglich «den kleinsten gemeinsamen Nenner der Banalität».

Fast wäre der in Pforzheim geborene Rau, der in seiner Sprache die badische Herkunft nicht verleugnet, Anwalt geworden. Nachdem er in Heidelberg 1955 sein erstes Konzert mit Albert Mangelsdorff organisiert hatte, gab er jedoch die Ausbildung zum Juristen auf.

Aus Verehrung zum großen Posaunisten zog er nach Frankfurt, das damals als Jazz-Hauptstadt Deutschlands galt. Rau wurde dort zur rechten Hand von Horst Lippmann, der als erster amerikanische Jazzer wie Duke Ellington, Count Basie oder Oscar Peterson nach Deutschland holte.

1964 wurde Rau auch Lippmanns Firmenpartner: Nach dem Jazz kam die Rock- und Popmusik dazu - mit den ersten großen Open-Air-Konzerten der Republik. 1989 fusionierte Rau mit seinem Erzrivalen Marcel Avram von Mama Concerts.

Einen tiefen Absturz erlebte das Großunternehmen, als Avram Anfang der 90er Jahre wegen Steuerhinterziehung verhaftet wurde. Rau zog sich erst 2004 aus dem aktiven Geschäftsleben zurück. Sein letztes großes Projekt waren Peter Maffays Tabaluga-Tourneen.

Aus dem Konzertgeschäft ist längst eine gigantische Industrie geworden, wie auch Rau weiß. Ohne Sponsoren aus der Wirtschaft geht nichts mehr. Rau hat aber sein Credo von der «Demokratisierung der Kultur» nicht aufgegeben.

Wie die Spielregeln funktionieren, haben ihm aber die Rolling Stones gezeigt. Sie wechselten Anfang der 90er Jahre zu einem anderen Veranstalter, als dieser mehr Geld bot.

Dafür darf sich Rau, der in einer Seniorenresidenz in Kronberg im Taunus lebt, seit 2007 Honorarprofessor nennen. Der Titel wurde ihm vom Land Hessen zuerkannt. Für dieses Jahr hat Rau, der trotz gesundheitlicher Probleme immer noch voller Tatendrang ist, in Deutschland weitere 50 Vorträge eingeplant.

Die rund 2500 Karten für seine Geburtstags-Gala am 20. März in der Frankfurter Alten Oper sind seit Wochen vergriffen. Etwas Besseres kann einem Konzertveranstalter zum 80. Geburtstag nicht passieren - aber natürlich würde Rau gerne noch mehr Karten auftreiben.

«Ich verliere einen Freund nach dem anderen», scherzt er. Der Erlös aus dem Konzert kommt der Tabaluga- Kinderstiftung zugute.


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