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«Eins und eins, das macht zwei»
Benefizkonzert mit Nina Gerhard im Darmstädter Staatstheater
Die Sängerin im Interview mit Gerald Block, 04.03.2010
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Nina GerhardNina Gerhard
Darmstadt Mit gerade einmal 17 Jahren gelang Darmstadts bluesigster Sängerin Nina Gerhard (35) mit dem Titel «More and More» ein Nummer-1-Hit in Deutschland. Wenig später unterschrieb die talentierte Singer-Songwriterin einen Solovertrag beim Stuttgarter Label «Intercord».

Innerhalb von drei Jahren brachte sie zwei Alben und fünf Singles auf den Markt. Und mit «Can't Stop this Feeling» belegt Nina Gerhard im fernen Land der aufgehenden Sonne sogar Platz 1. Was folgt, ist eine ausgedehnte Tour, die die Künstlerin von Spanien, Belgien, Frankreich, Schweden bis hin nach Japan führt.

Am Sonntag, den 7. März um 20 Uhr werden Nina Gerhard (Gesang), Udo Brenner (Bass), Steffen Stütz (Klavier), Dieter Kociemba (Gitarre) und Jens Biehl (Schlagzeug) im Darmstädter Staatstheater (Kleines Haus) aus ihrem Programm «Muse» unvergessene Songs von Hildegard Knef, Marlene Dietrich, Marianne Faithfull, Shirley Bassey u. a. zum Besten geben.

Block: Im Allgemeinen erhalten kreative und begabte Menschen erste Hilfestellung im Kreise der Familie. War das bei dir ähnlich?

Nina Gerhard: Ja. Schon als Kind habe ich gern und viel gelesen. Irgendwann fing ich an, alles laut zu deklamieren, was mein Vater begeistert auf Tonband aufnahm. Später erweiterte ich meine Vorträge, indem ich Texte zu eigenen Melodien sang. Meine Mutter hat mich in dieser Hinsicht immer sehr unterstützte.

Block: Wie hat sich das weiterentwickelt?

Nina Gerhard: Später ging´s mit dem Kinderchor weiter, bis ich mit neun ans Klavier herangeführt wurde. Dennoch konzentrierte ich mich mehr auf Gesang, weil ich die Kraft in meiner Stimme entdeckte und spürte, dass ich mich so am besten ausdrücken kann. Zuhause habe ich nur gesungen – was dazu führte, dass ich lange von dem namhaften Opernsänger 'Kamen Todorov' unterrichtet wurde.

Block: Zitat: „Die Sängerin komponiert und schreibt viele ihrer Texte selbst; ob Blues, Pop, Jazz, Chanson oder House, zusammen ergeben sie das große Puzzle ihrer Persönlichkeit.“ Würdest du das unterschreiben?

Nina Gerhard: Ja. Weil ich mir immer wieder neue Herausforderungen suche, die ich selbst gestalten kann. Deshalb habe ich mir nun mal diesen intensiven Weg ausgesucht, auf dem ich mich Schritt für Schritt weiterentwickle. Dabei sammle ich Emotionen, die mich auf sehr unterschiedliche Art und Weise berühren bzw. beeindrucken.

Block: Ist es dir dabei wichtig, dass du von Blues über Jazz bis House alles beherrschst?

Nina Gerhard: Nein – das ist keine bewusst gesteuerte Entscheidung, sondern ein tiefes Gefühl, dem ich leidenschaftlich nachgehe.

Block: Nervt es, wenn man dich immer wieder auf das „Captain Hollywood Project“ anspricht, mit dem du 1992 einen Hit hattest?

Nina Gerhard: Vielleicht gab es mal ´ne Reaktion, die so wirkte. Heute denke ich: Das ist ein Teil meiner Vergangenheit, der mich dahin führte, wo ich heute bin. „Captain Hollywood“ (More and More) war eine Studioproduktion, mit der ich nie tourte. Erst danach ging´s mit meinen Sachen so richtig los...!

Block: Als deine Soloalben bei „Intercord“ veröffentlicht wurden, ging´s auf große Tour. Hast du gedacht, das geht ewig so weiter?

Nina Gerhard: Nein! Ich hab mir nie etwas vorgemacht – weil ich immer einen realistischen Blick auf den Moment habe. Allerdings konnte ich das tun und leben, was ich liebe ... Beeindruckend waren die Menschen, denen ich begegnet bin. Gerade in Japan, einem Land, in dem man opportun lebt, hat man in kulturellen Belangen nahezu Narrenfreiheit, was sich widerspricht.

Block: In welcher Stimmung findest du zu deinen Songs?

Nina Gerhard: Mich muss etwas berühren. Das kann durch Menschen, Musik, Bücher oder auch durch eine Leere ausgelöst werden. Oft findet das spät abends beim Hören von Musik statt, weil ich mich dabei treiben lassen kann, während ich meine inneren Bilder sammle, die ich in Sprache umzusetzen versuche. Manchmal fließen mir ganz konkrete Bilder und Gedanken aufs Papier.

Block: 2001 hast du dich bei Monika Hessenberg im Frankfurter Logo-Institut als Synchronsprecherin für Film und Werbung ausbilden lassen. War das so etwas wie eine Rückbesinnung auf deine sprachlichen Wurzeln?

Nina Gerhard: Vielleicht...!? Sprache ist für mich nach wie vor ein wichtiges Artikulationselement, mit dem man sozusagen ganze Bilderwelten schaffen kann. Bei meinen Sprecherrollen bediene ich natürlich auch das Schauspielerische. Deshalb habe ich - um mich zu verbessern - den Weg über das renommierte Institut gewählt.

Block: Auf deiner Homepage http://www.nina-laloba.de/ kann man Hörproben von dir erleben, die auf eine interessante Art und Weise visualisiert wurden. Wie kamst du zu den kleinen Kunstwerken?

Nina Gerhard: Durch Eva Vitting – sie lehrt an der FH Mainz Design. Wir hatten die Idee, Songs mit kurzen Animationen zu verbinden - was sich im Rahmen eines studentischen Projekts realisieren ließ. Schön finde ich, wie Helena Fischer „Eins und eins, das macht zwei“ von Hildegard Knef umgesetzt hat – in dem sie die Befruchtung einer Eizelle darstellt. Auf diese Idee wäre ich nicht so schnell gekommen.

Block: Am Sonntag wirst du für einen guten Zweck (ECHO HILFT) mit deiner Band im Darmstädter Staatstheater aus deinem Programm ,,Muse" die schönsten Stücke vortragen. Wie kam es zu „Muse“?

Nina Gerhard: Es entwickelte sich, nachdem ich mich mehr und mehr mit Chansons beschäftigt habe (...) Indes stellt sich mir die Frage: Warum z. B. eine Marianne Faithfull so wichtig ist? Weil ich beim Hören ihrer Songs ihr sehr nahe gekommen bin. Deshalb möchte ich ihre Lieder faithfullnah singen und sie nicht irgendwie interpretieren.

Block: Wenige wissen, dass du seit 6 Jahren als Gesangspädagogin für Stimmbildung an verschiedenen Musikschulen tätig bist. Wie muss man sich das vorstellen?

Nina Gerhard: Im Wesentlichen erteile ich Stimmbildung für Blues, Jazz und Pop, weil ich´s ja selbst praktiziere und genau weiß, wo die Positionierungen sitzen. Gesang und Sprache funktionieren nach dem gleichen Gesetz. Daher ist bedeutend, wo die Positionierungen - also die Klanglöcher sitzen, die es auszugleichen gilt. Genau das ist, was ich zu vermitteln versuche.

Block: Gibt es ein aktuelles Musikprojekt, mit dem du dich befasst?

Nina Gerhard: Ja - „Zamsoo“. Was sich von „Samsu“ ableitet und „Geheimnis“ bedeutet. Eigentlich ist es ein rein phantasiesprachliches Konstrukt, das wir (der Gitarrist Joerg Dudys und ich) uns irgendwann ausgedacht haben. Die Songs besitzen allesamt begriffliche Eigenkreationen, die wir auf der „Zamsoo-CD“ Stück für Stück preisgeben. Mehr möchte ich aber nicht verraten.

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