Großes Aufräumen in Hessen nach Orkan «Xynthia»
01.03.2010
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Aufräumarbeiten nach Orkan «Xynthia» auf der Darmstädter Landstraße in Frankfurt
Frankfurt. Nach dem Orkan «Xynthia» hat am Montag in Hessen das große Aufräumen begonnen. Erst allmählich normalisierte sich der Verkehr auf Straßen, Gleisen und in der Luft. Die Feuerwehr musste zahlreiche umgestürzte Bäume wegräumen, etliche Straßen waren noch gesperrt. Betroffen waren vor allem das Rhein-Main-Gebiet sowie Mittel- und Nordhessen.
Das ganze Ausmaß der Schäden war am Montag noch unklar. Die SparkassenVersicherung in Stuttgart geht von Millionenschäden aus. Vor allem aus Mittel- und Südhessen sowie Nordbaden hätten Menschen angerufen und Schäden an Häusern, Einrichtungen und Autos gemeldet, teilte Deutschlands größter Gebäudeversicherer mit.
In Frankfurt-Preungesheim sicherten mit Maschinenpistolen bewaffnete Wachleute einen Gefängnis-Vorhof, wo der Orkan eine provisorische Wand umgeblasen hatte. Wanderer wurden gewarnt, die Wälder zu betreten.
Auch die Stadt Frankfurt riet eindringlich davon ab, in Parks und Grünanlagen zu gehen. Zwar hatte sich der Sturm am Montag gelegt, aber Wetterbesserung gibt es nicht: In den nächsten Tagen wird es nach der Vorhersage wieder deutlich kälter.
«Xynthia» war am Sonntagnachmittag mit Windstärke 12 über Hessen gerast. Über die Wasserkuppe in der Rhön jagte der Orkan mit Tempo 140. Ein Wanderer und ein Kleinkind kamen ums Leben, mehrere Menschen wurden von herabfallenden Ästen und Ziegeln verletzt, Baumstämme und Äste demolierten Dutzende von Autos.
In Bad Soden-Salmünster (Main- Kinzig-Kreis) stürzte am Sonntagabend der Mittelbau eines Wohnhauses ein, verletzt wurde dabei aber niemand. In Nord- und Mittelhessen waren nach Angaben des Energiekonzerns Eon bis zu 70 000 Menschen von vorübergehenden Stromausfällen betroffen.
Nach einer ersten Bilanz des Innenministeriums vom Montag rückte allein die Feuerwehr landesweit zu gut 6400 Einsätzen aus. Insgesamt seien mehr als 20 000 freiwillige Helfer im Einsatz gewesen. Die Polizei hatte etwa 1000 Einsätze zu bewältigen.
Während der Verkehr auf den Autobahnen am Morgen wieder rollte, gab es am Flughafen noch einige Ausfälle und Verspätungen. Am Sonntag war sturmbedingt jeder fünfte Flug gestrichen worden.
Der Bahnverkehr lief wieder auf den meisten Strecken, nach Auskunft der Deutschen Bahn blieb die S-Bahn-Strecke zwischen Oberroden und Offenbach-Ost bis zum Nachmittag gesperrt. Dort hatte ein umstürzender Baum die Oberleitung beschädigt. Im Fernverkehr kam es zu Verspätungen. Im Frankfurter Hauptbahnhof und im Fernbahnhof des Flughafens war der Zugverkehr am Sonntag unterbrochen worden.
Wegen schwerer Sturmschäden wurden am Montag zwei Schulen im osthessischen Hünfeld geschlossen. Wie die Polizei in Fulda mitteilte, hatten Böen einen Teil des Schuldachs einer Haupt- und Realschule abgedeckt. Die umherfliegenden Trümmerteile beschädigten ein angrenzendes Gymnasium und schlugen dort in Fenster und Wände ein.
Erst in der zweiten Wochenhälfte rechnet Hessen-Forst mit einem Überblick über die Schäden in den Wäldern. Derzeit seien die 41 hessischen Forstämter damit beschäftigt, Orkanbilanz zu ziehen, sagte Hessen-Forst-Sprecher Horst Gossenauer-Marohn.
Die Gefahr sei noch nicht vorbei, sagte Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) und warnte ebenfalls vor Spaziergängen im Wald. Lose Äste könnten herunterfallen, und das Tauwetter habe den Untergrund aufgeweicht, so dass viele Bäume nicht sicher stünden.
Der Nationalpark Kellerwald-Edersee in Nordhessen wurde für Besucher bis zum Donnerstag gesperrt. «Wir sind mit allen verfügbaren Einsatzkräften im Nationalpark und versuchen schnellstmöglich alle Gefährdungen zu beseitigen», sagte Wolfgang Kommallein vom Nationalparkamt.
«Xynthia» hatte am Sonntag zahllose Bäume auf Straßen, Gleise, geparkte Autos und Gebäude geworfen. Verkehrsschilder, Ampeln, Bauzäune und andere nicht fest verankerte Gegenstände flogen durch die Luft. Allein in Nordhessen wurden 44 Straßen zeitweise gesperrt. Auf der 674 Meter hohen Sackpfeife im Kreis Marburg-Biedenkopf blockierten Baumstämme die Bundesstraße 253 und schlossen mehrere Autofahrer ein.
In Bad Soden-Salmünster (Main-Kinzig-Kreis) stürzte eine Lagerhalle ein, die Bewohner des angrenzenden Hauses mussten ihre Wohnungen verlassen. Im Landkreis Limburg-Weilburg wurden mehrere Häuser abgedeckt.
Mit den vorfrühlingshaften Temperaturen ist es vorerst vorbei: Tagsüber seien einstellige Temperaturen zu erwarten, nachts Frost, sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) voraus. Am Dienstag fallen Regen, Graupel oder auch Schnee. Besserung ist nicht in Sicht - zum Wochenende wird es noch etwas kälter mit Regen oder Schnee.