Frankfurter Zukunftsrat: Föderalismus behindert Bildung
08.02.2010
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In der Schule
Frankfurt. Die föderalen Strukturen in Deutschland blockieren nach Ansicht des Frankfurter Zukunftsrats die Bildungspolitik. Seit Jahrzehnten sei die Bildungshoheit der Länder Grund dafür, dass sich die Landesregierungen auf dem Gebiet von Bildung und Erziehung parteipolitisch zu profilieren versuchten.
Damit lähme sich die Politik gegenseitig, erklärte der Pädagoge und Bestseller-Autor («Lob der Disziplin») Bernhard Bueb, der Mitglied des Zukunftsrats ist. Schülern sei auch nicht zuzumuten, im Falle eines Umzugs mit einem völlig anderen Schulsystem konfrontiert zu werden.
In dem vor knapp zwei Jahren gegründeten Zukunftsrat erarbeiten Wissenschaftler und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Konzepte für Gesellschaft und Politik. Der Gründer des Gremiums, der Volkswirt Manfred Pohl, kündigte am Montag in Frankfurt an, dass der Rat in diesem Jahr gezielt junge Politiker ansprechen wolle.
«Es gibt Ermüdungserscheinungen an der Spitze der Politik», sagte Pohl. «Wir brauchen frisches Blut.» Bei jungen Politikern sei die Bereitschaft zu überparteilichem Denken, das sich nicht nur an den einzelnen Wahlperioden orientiere, ausgeprägter.
Der Zukunftsrat will sich außerdem in diesem Jahr in einem Arbeitskreis der Rolle der Medien widmen. Die integrative Funktion der Medien sei unter anderem wegen der Boulevardisierung der Berichterstattung und sinkender Zeitungsauflagen gefährdet, hieß es.
Der Ulmer Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer kritisierte den seiner Ansicht nach verantwortungslosen Konsum elektronischer Medien von Kindern und Jugendlichen. Dieser sei für die Sprachförderung im frühkindlichen Alter schädlich und auch für die wachsende Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen verantwortlich. Die öffentlich- rechtlichen Medien hätten sich mit ihren Programmen den «Marktmechanismen angepasst», kritisierte Spitzer in Frankfurt.
Dem Vorstand des Zukunftsrats gehört auch der frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement an. Vorstandsvorsitzende ist Sylvia von Metzler von der Frankfurter Bankierfamilie Metzler.