Beatles-Album als enttäuschendes Bühnenspektakel
Von Christian Rupp,
07.02.2010
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Die Darsteller des Stücks «Das Weiße Album»: Marc Oliver Schulze, Torben Kessler, Christoph Pütthoff
Frankfurt. Die berühmten Pilzfrisuren sind verschwunden. Stattdessen tragen sie nun schlichtes Weiß. Wippen ein wenig herum, hüpfen und gröhlen und verbreiten die Stimmung einer fastnachtlichen Kappensitzung. Von dem Ernst der Lieder, die damals, im Revolutionsjahr 1968 die Freiheit besangen, ist nichts mehr übrig.
Regisseur Florian Fiedler und der Autor Roland Schimmelpfennig haben am Schauspiel Frankfurt das legendäre «Weiße Album» der Beatles erstmals in einer szenischen Version auf die Bühne gebracht. Die Premiere am Samstag erwies sich als dramaturgisch wie musikalisch enttäuschende Bühnenrevue.
Im Programmheft angekündigt ist «Das Weiße Album» als «Konzert mit Live-Musik» - ein weißer Schimmel, eine Tautologie, die als Hinweis auf die flapsige und assoziative Herangehensweise gelesen werden darf. Denn das Doppelgespann Fiedler/Schimmelpfennig macht aus dem Album ein Spektakel ohne großen ästhetischen Hintergrund.
Dazu hat Schimmelpfennig, der zu den meistgespielten zeitgenössischen Dramatikern an deutschen Bühnen zählt, die 30 Texte der einzigen Doppel-LP der Pilzköpfe ins Deutsche übertragen sowie die Reihenfolge der Songs ordentlich durcheinander gewirbelt.
Rocky mit dem Revolvaaahh
Aus dem berühmten «Cry Baby Cry» wird etwa «Schrei, Baby, schrei» und der Reim «Und Rocky stand da - mit dem Revolvaaahh» zählt noch zu den eleganten seiner Art. Vieles wirkt banal, gerät zur mehr oder minder unterhaltsamen Nebensache. Stücke, die einst Musikgeschichte schrieben - wie «Ob-la-di, ob-la-da» oder «Revolution No.9» - werden mit Hot-Dogs, Würstchen, Taschenlampen und Videoprojektionen szenisch aufgemöbelt.
Die fünf Schauspieler, die die Songs zu singen haben, schleudern Mikrophonständer und Wasserflaschen umher und trampeln was das Zeug hält. Zusätzliche Szenen gibt es nicht. Alles steckt in den Liedern, die kleine Geschichten erzählen sollen.
Dabei gehen Schimmelpfennig und Fiedler in keiner Sekunde auf die Hintergründe des Albums ein: den in weißer Schrift auf weißem Grund geprägten Titel, die Zerrissenheit der Gruppe zwischen Revolte und Privatem, ihre Krise und Sinnsuche in der Meditation, die einsetzende Flower-Power-Bewegung und der zunehmende Drogenkonsum. All das bleibt unerwähnt.
Stattdessen gibt es die Hamburger Band «Piggies» - so etwas wie ein musikalischer Stichwortgeber an diesem Abend - und fünf gesanglich völlig überforderte Schauspieler.
Für ein Konzert ist das alles zu schlecht gesungen. Für ein Schauspiel zu miserabel inszeniert. Aber eines zeigte der Abend und das völlig begeisterte Premierenpublikum dann doch: Die überwältigenden Songs der legendären Beatles sind einfach nicht totzukriegen.