Sieben minus eins
Die Eintracht Frankfurt-Kolumne
Von Henni Nachtsheim,
29.01.2010
Henni Nachtsheims Eintracht-Tagebuch
Liebes Eintracht-Tagebuch,
auch heute muss ich Dir mal wieder was anvertrauen: Ich habe ein fast schon irrational inniges Verhältnis zu Zahlen. Kein Quatsch.
Ich kann mir zum Beispiel Telefonnummern leichter merken als Namen. Und ich weiß oft noch Monate nach einem Hotelbesuch, welche Nummer mein Zimmer hatte, während ich nicht mehr zusammen bekomme, warum ich überhaupt da war.
Je länger ich mich mit dieser Materie beschäftige, umso mehr lerne ich über die großen Unterschiedlichkeiten bei Zahlen. Eine der definitiv bedeutendsten ist übrigens die Sieben. Die Zahl ist der Hammer. In der biblischen Zahlensymbolik zum Beispiel steht sie für Vollkommenheit, und im antiken Rom war sie sogar ganz offiziell Gott geweiht.
Papst Gregor der Große erstellte seinerzeit die Liste den sieben (ausnahmslos guten) Tugenden, und in der katholischen Kirche kennt man nicht nur schon sei jeher die sieben Sakramente (wie zum Beispiel die Ehe) sondern auch noch die sieben Gaben des Heiligen Geistes (wie etwa Weisheit oder Stärke).
Selbst der gute alte Pythagoras von Samos ordnete der Sieben Begriffe wie Geburt oder Magie zu. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass «Über sieben Brücken musst du gehen» dank der Band «Karat» und später noch mal Peter Maffay gleich zweimal einer der größten deutschen Hits überhaupt war, «Die sieben Zwerge» (ob mit oder ohne Otto) zu den beliebtesten Märchen dieses Landes gehört, 7 Up immer noch ein weltweiter Klassiker unter den Limonaden ist, und «Sieben» als der beste Serienmörderfilm aller Zeiten gilt, wird einem klar, die Zahl ist das Brett.
Ich selbst habe übrigens auch intensive Erlebnisse im Zusammenhang mit ihr. Im zarten Alter von sieben hat man mir beispielsweise sehr erfolgreich den Blinddarm entfernt, um mich kurz drauf (nicht ganz so erfolgreich) einzuschulen.
Meinen ersten Vollsuff hatte ich zwar erst mit sechzehn, aber mein großer Bruder schwört heute noch, dass ich mich an diesem Abend sieben Mal übergeben habe. Und
ich erinnere mich auch noch daran, dass meine Biologielehrerin mir gern die Note Sieben für das Verweigern einer Froschleichenobduktion gegeben hätte, was nur aufgrund der allgemein gültigen Notengebung nicht möglich war.
Liebes Tagebuch, überleg doch mal: Das Siebengebirge, die sieben Leben einer Katze, Siebenmeilenstiefel oder die Sieben Weltwunder. Und was gucken Kinder schon immer besonders gerne im Fernsehen? Genau: «Siebenstein». Und wie viele Geißlein haben letztendlich den fiesen Wolf zum Loser gemacht? Eben!
Und was haben die Toten Hosen damals schon gesungen? «Die Sieben ist alles.» Und auch uns Eintrachtfans hat diese besondere und charismatische Zahl längst in ihren Bann gezogen.
Ob meine Kumpel am Telefon, wildfremde Menschen auf der Straße oder hessische Hausmeister, die mir vor Auftritten die Garderobe aufschließen – überall war beziehungsweise ist das erste Wort dieser Tage ein laut und stolz gerufenes «Siebter». Selbst mein Physiotherapeut hat mir vorgestern vor lauter Begeisterung den siebten Wirbel eingerenkt, obwohl ich Schmerzen am dritten hatte.
Nun wird man in München oder Leverkusen angesichts unserer beinahe schon kindlichen Freude vermutlich nur milde lächelnd den Kopf schütteln, aber das ist uns komplett egal. Denn dieser siebte Tabellenplatz (dank einem Tor von Benjamin Köhler im Trikot Nr. 7) ist aufgrund aller addierten Umstände der letzten Wochen mehr als wir erwarten konnten.
Und das wissen wir einfach aufrichtig zu würdigen. Zumal der hessische Größenwahn schon längst einem klaren Blick für die Realität gewichen ist. Gut, okay, wenn die Eintracht und wir am Samstag gegen Köln gewinnen sollten und Werder Bremen parallel dazu in Gladbach verliert, müssten wir uns ein wenig umstellen ...
Sag mal Tagebuch, wusstest Du eigentlich, dass die Sechs im Schweizer Schulsystem die Bestnote ist, dass die schönsten Kristalle sechseckige Strukturen haben, und dass sich das Sixpack nach wie vor großer Beliebtheit erfreut? Ganz zu schweigen von sechs Richtigen im Lotto. Ist irgendwie eine tolle Zahl, diese Sechs ...
In diesem Sinne: Bis bald wieder!
Mit lieben Grüßen
Henni
Hendrik «Henni» Nachtsheim, einst Mitarbeiter der Sportredaktion der Frankfurter Neuen Presse, ist nicht nur in Hessen als die eine Hälfte des Comedy-Duos «Badesalz» bekannt. Früher war er Sänger der Rockband Rodgau Monotones.