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Die Traum-Elf
Von Ente an Adler - Die Eintracht Frankfurt-Kolumne
Von Henni Nachtsheim, 13.03.2009
Henni Nachtsheim mit Ente PatHenni Nachtsheim mit Ente Pat
Wie paralysiert starrte ich auf den Zettel in meiner Hand. Ich verstand überhaupt nichts mehr. Völlig verunsichert sprach ich einen wildfremden Mann an, der in der Reihe vor mir saß. «Entschuldigen Sie, aber ich lese gerade die Aufstellung für heute, und ich kapiere es nicht! Das soll die Mannschaft sein, die hier in einer halben Stunde gegen Hoffenheim spielt...?»

Er drehte sich um, nickte mir freundlich zu, während er dabei ebenfalls ein Blatt Papier aus seiner Manteltasche zog. «Hab ich auch bekommen. Was verstehen Sie denn daran nicht?» «Alles! Hier zum Beispiel ... im Tor mit der Nummer 1 Michael Feick! Ich weiß ja nicht mal, wer das ist!» Als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, antwortete er gelassen.

«Na, das ist der Eintracht- Pressesprecher!» «Aha! Und wieso spielt der im Tor?» «Weil alle anderen Torleute verletzungsbedingt ausfallen.» «Aha ... Und wer ist dieser Martin Stein in der Innenverteidigung?» «Das ist der, der normalerweise im Eintrachtfanblock per Megaphon vorgibt, was gesungen oder gebrüllt wird. Wenn einer Kommandos geben kann, dann doch er.»

«Und wieso spielt Friedhelm Funkel selber auch mit? Hinten rechts!» «Was soll er denn machen, wenn alle Abwehrspieler verletzt sind? Und mit der Blutgrätsche ist es wie mit dem Fahrradfahren ... das verlernt man nicht!» «Okay, aber wer sind die beiden anderen Abwehrspieler? Wer ist denn zum Beispiel Rudolf Köhler?»

«Das ist einer von den Fanbeauftragten. Auch clever! Wenn die Abwehr schlecht spielt, kann er sich später im direkten Gespräch bei den Fans dafür entschuldigen!» «Und Christian Maresch?» «Der ist aus der Merchandiseabteilung. Keine Ahnung, ob der kicken kann, aber ich bin sicher, dass er während des Spiels mindestens zehn verschiedene Trikots aus der aktuellen Kollektion tragen wird! Werbetechnisch brillant!»

Ich starrte weiter fassungslos auf die Aufstellung. «Spinn ich, oder spielen im Mittelfeld tatsächlich Heribert Bruchhagen, Thomas Pröckl und Klaus Lötzbeier? Das ist doch der komplette Vorstand! Ich meine, die haben doch vermutlich alle ewig keinen Ball mehr getreten» «Selbst wenn! Strippenzieher bleibt Strippenzieher! Und bevor sie ganz ohne Mittelfeld spielen, dann doch lieber so! Auf der Bank sitzt übrigens noch Heiko Beeck, der war bis letztes Jahr auch im Vorstand!»

Aufgeregt las ich weiter. «Hmmm, Präsident Peter Fischer im Sturm kapiere ich ja noch. Der spielt vermutlich Mittelstürmer, weil er so groß ist.» «Genau! So’n langer Schlaks nickt immer mal einen rein!» «Gut! Aber wer bitteschön ist denn Hansi Knötzinger?!» «Kennen Sie den nicht? Der steht sonst mit seinem Brezelkorb hinter der Gegengerade. Spielt heute Linksaußen.» «Und Willi Knötzinger?» «Sein Bruder!» «Verkauft der auch Brezeln?» «Nein, der arbeitet für die Sanitärfirma, die die Stadiontoiletten betreut! Der spielt auf rechts!»

«Klar, logisch, wenn einer hier das Klopapier austauscht, kann er ja ruhig auch mal Rechtsaußen spielen ...!» Ein letztes Mal blickte ich gebannt auf den Zettel. «Wer ist denn Matze Thoma?» «Das ist der Leiter des Eintrachtmuseums!» «Und wieso ist der plötzlich Trainer?» «Na, keiner kennt sich bezüglich der Eintrachthistorie besser aus als er. Also kann er der Mannschaft wunderbar erklären, welche Fehler in der Vergangenheit schon alle gemacht worden sind, und wie man sie heute vermeiden kann!»

Wie betäubt starrte ich ihn an. «Und wieso wissen Sie das alles?» «Ich bin der für Deutschland zuständige Spielerbeobachter vom FC Barcelona. Da muss ich natürlich über jeden da unten genauestens informiert sein!» Ungläubig schüttelte ich den Kopf. «Ja, aber von denen, die heute spielen, wird doch für einen Verein wie Barca keiner in Frage kommen ...!» «Das würde ich nicht sagen. Die Knötzinger-Brüder haben beim Aufwärmen einen guten Eindruck gemacht. Außerdem soll in der Halbzeit ja noch eine Art Geheimwaffe eingewechselt werden ..!» «Wer denn?» «Die Mutter von Patrick Ochs. Muss ein Riesentalent im defensiven Mittelfeld sein ...!»

Ich war gerade dabei, hysterisch lachend zusammen zu brechen, als ein Klingeln mich daran hinderte. Ich öffnete die Augen und starrte irritiert auf den Wecker neben meinem Bett. Dass mich die Verletzungsmisere der Eintracht beschäftige, wusste ich ja. Aber so sehr, dass sie mich schon im Traum verfolgte...! Kurz drauf setzte ich mich mit einer Tasse Kaffee an den Küchentisch.

Vor mir die Zeitung. Ich beschloss, sie zu ignorieren. «Ich will gar nicht wissen, wer sich gestern noch alles verletzt hat...», hörte ich mich murmeln, «... ich will nur einen Punkt gegen Hoffenheim! Egal wie! Und egal mit wem!»

In diesem Sinne!

Hendrik «Henni» Nachtsheim, einst Mitarbeiter der Sportredaktion der Frankfurter Neuen Presse, ist nicht nur in Hessen als die eine Hälfte des Comedy-Duos «Badesalz» bekannt. Früher war er Sänger der Rockband Rodgau Monotones.

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