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Sadomaso in Reinkultur
Von Ente an Adler - Die Eintracht Frankfurt-Kolumne
Von Henni Nachtsheim, 05.12.2008
Henni Nachtsheim mit Ente PatHenni Nachtsheim mit Ente Pat
Es mag ja sein, dass es Bundesländer gibt, die uns in bestimmten Dingen überlegen sind. Sei es wirtschaftlich, schulpolitisch, von mir aus auch kulturell. Aber eines haben sie allesamt im Gegensatz zu uns Hessen nicht: nämlich die Gabe, aufgrund ihrer Sprache selbst den vermeintlich ernsten oder gar unangenehmen Themen dieser Welt eine komische Seite zu verleihen!

Es ist einfach so! Sobald sich Hessen im Dialekt über etwas unterhalten, wird es irgendwie amüsant ... wenn auch oft nur unfreiwillig! Ob es beim Kiebitzen nach einem Unfall ist, wo sich zwei alte Frankfurter Opas über die Bereifung des Krankenwagens unterhalten («Des sind Fuffzehner Allwetterschlappe ... ganz klar!»), oder im Kaufhaus, wo eine Verkäuferin an der Kasse die Weltpolitik erörtert («Also, seitdem der Osama Barack den langen Bart ab hat und net mehr in Höhlen, sondern im Weiße Haus lebt, find ich den richtig sympathisch ...»)!

Vor ein paar Wochen durfte ich dankbarer Zeuge eines Fachgesprächs zweier Handwerker sein, die sich während ihrer Mittagspause vorm Schnellimbiss über Sadomaso austauschten! «Karl-Heinz, ich hab des im Fernsehn gesehe! Des mache sowohl Männer als auch Fraue! Die tragen so Latexlappe und dazu Masken, und dann geht’s los!» «Was’n für Masken, Werner? So welche mit Politikergesichtern oder was?» «Naa, so schwarze Masken halt. E bissi wie so Henker in alte Filme ...»

«Ja, aber die hänge sich doch net uff, oder?» «Naa, die tun sich zwar weh, aber gegenseitisch umbringe tun se sich net.» «Haun die sich uff die Fratz oder was?» “Naa! Die drehen sich irgendwelche Häkscher in die Brustwarz oder woanders hin, und des gefällt dene dann.» «Habbe die se noch all?! Wenn mir aaner wo was neidrehe will, batsch ich ihm eine!» «Du wirst lache, aber wahrscheinlich fänd der des sogar gut! Des is halt annerster bei dene, die wolle des so! Sowohl der, der wo dem annern wehtut, als auch der, der wo die Schmerze aushalte muss!»

«Wieso boxe die net einfach gegeneinander?“ «Erstensma boxe Männer net gegen Frauen! Und außerdem geht es net darum, dass aaner gewinnt, sondern dass es möglichst lange dauert und Spaß macht!» «Warum mache se dann keine Skiwanderung? Des dauert auch lang, kaaner muss gewinne, und zum Schluss brenne dir die Füß!»

«Des is doch kaan Wintersport! Und die habbe auch kei Hauptsaison, die wolle des immer!» «Des geht doch gar net! Was issen, wenn die schaffe gehe? Trage die dann im Büro Latexklamotte und hauen sich mim Tacker Klammern in die Stirn?»

«Blödsinn! Die haben da extra so ganz spezielle Clubs für so was! Des is im Prinzip ne ganz eigene Szene, da kimmste als Außenstehender gar net nei ..!» «Ach so, jetzt versteh ich’s!“

So unterhaltsam dieser Dialog auch für mich war ... eine Woche danach denke ich, dass das mit der Exklusivität nicht so ganz stimmt. Man kann auch völlig unfreiwillig in die SM-Szene geraten! Als Eintrachtfan zum Beispiel. Wobei wir die Rollenfrage natürlich nicht groß erläutern müssen. Die Spieler sind die Sados und wir Fans sind, wenn auch nicht wirklich gerne, die Masos! Oder wie sollen wir das denn sonst nennen, was sie derzeit mit uns machen?

Sieg in Gladbach, dann ein klasse Spiel gegen Stuttgart, das uns aufgrund seiner Spielkultur unterbewusst höhere Tabellenluft hat schnuppern lassen. Dann der plötzliche Schmerz nach dem Dortmundspiel, bei dem sie sich eher als Ausspielmarionetten denn als Gegner präsentiert haben. Dann wieder das wunderbare Gefühl nach dem klaren 4:0 gegen Hannover.

Und kaum träumen wir so ein ganz klein bisschen von einem möglichen, klitzekleinen aber feinen Pünktchen im hohen Norden ... schon demütigen sie uns mit einer Megaklatsche in Bremen. 0:5! In einem Spiel, das nach 20 Minuten bereits entschieden war? Gegen ein Team, das selten dünnhäutiger war als in diesen Wochen?

Für mich ist das Sadomaso in Reinkultur!

Hendrik «Henni» Nachtsheim, einst Mitarbeiter der Sportredaktion der Frankfurter Neuen Presse, ist nicht nur in Hessen als die eine Hälfte des Comedy-Duos «Badesalz» bekannt. Früher war er Sänger der Rockband Rodgau Monotones.

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