Freizeit
Anbieter dieser Webseite
rhein-main.biz Logo
Spielball der Götter
Von Ente an Adler - Die Eintracht Frankfurt-Kolumne
Von Henni Nachtsheim, 21.11.2008
Henni Nachtsheim mit Ente PatHenni Nachtsheim mit Ente Pat
Einer meiner besten Jugendfreunde hieß Thomas, und er machte seinen Zivildienst in einem Seniorenheim. Das war kein wirklich leichter Job, denn während ich im «Kuratorium für Heimdialyse» nur Papierkram bewältigen musste, durfte er mit den älteren Herrschaften nicht nur im Park spazieren gehen, er musste sie füttern, anziehen, waschen usw.

Er nahm das aber mit einer beeindruckenden Leichtigkeit und begründete das mit den vielen schönen Erfahrungen und mitunter sehr lehrreichen Gesprächen. Eines Tages erzählte er mir beim gemeinsamen Zivildienst-Feierabendbier von einer neuen Heimbewohnerin, die ihn gleich am Tag ihrer Ankunft in ein mystisches Geheimnis eingeweiht hatte.

Es gäbe nämlich für jeden Bereich im Leben einen extra dafür bestimmten Gott, und nur der sei dafür verantwortlich, ob etwas klappte oder nicht!

Wenn zum Beispiel im Backofen der Kuchen verbrannte, war man nicht selbst daran schuld sondern der «Küchengott». Wenn man über eine rote Ampel fuhr und dabei geblitzt wurde, war das nicht eigene Blödheit, sondern der «Verkehrsgott». Ja, und selbst wenn man versehentlich in die weiche Hinterlassenschaft eines Hundes trat, war das nicht Unachtsamkeit, sondern unterlag einzig und allein der Verantwortung des «Hundehaufengottes»!

Natürlich nahmen wir diese Wissenschaft dankbar auf, denn egal, was wir auch falsch machten, ab sofort waren höhere Kräfte daran schuld. Konnten wir bei einem Mädchen nicht landen, war der «Anmachgott» daran schuld, und wenn einer von uns sonntagmorgens total verkatert aufwachte, hatte der «Pilsgott» einfach nicht aufgepasst.

Behält man den Glauben an diese Theorie bei und betrachtet man das Spiel der Eintracht in Dortmund, kämen gleich eine ganze Reihe da oben in Frage. Vielleicht war es ja nur der «Dicke-Beine-Gott», der unseren Jungs am Samstag das Leben gemeinerweise schwer gemacht hat, und wegen dem sie letztlich so alt ausgesehen haben.

Möglich wäre auch, dass der «Gott der gesunden Selbsteinschätzung» gerade mal einen großen Bogen um die Frankfurter Mannschaft gemacht und so dafür gesorgt hat, dass sich die Spieler nach den Punkten aus den letzten Spielen einfach zu sicher waren, trotz ihrer schwierigen Personalsituation auch im Ruhrpott locker mithalten zu können.

Dazu würde übrigens auch passen, dass Marco Russ immer wieder schon nach nur wenigen ganz guten Spielen mit der Nationalelf in Verbindung gebracht wird. Das sehe ich, trotz aller Sympathie für ihn, anders. So qualitativ unterschiedlich er da hinten spielt, ist er zurzeit vom DFB-Team so weit entfernt wie Reiner Calmund von der Goldmedaille im Stabhochsprung!

Unbestritten nicht betroffen vom göttlichen Selbstüberschätzungsvirus ist übrigens Heribert Bruchhagen, der vor kurzem ein beachtenswertes und kluges Interview zu genau diesem Thema gegeben hat, in dem er die vollkommen unberechtigte und weit verbreitete Selbstherrlichkeit und Divenhaftigkeit in der Bundesliga beleuchtet hat!

Das war Balsam für meine von blöden Schiridiskussionen und anderem überflüssigen Gejammer gepeinigte Fußballseele. Aber wie dem auch sei, wichtig ist, dass die Eintracht uns schon bald, und am besten gegen Hannover 96, beweist, dass die Packung beim BVB zur Kategorie «Ausrutscher» gehört, und dass sie den Aufwärtstrend der letzten Wochen trotzdem bestätigen kann.

Und von mir aus können da gerne auch ein paar höhere Wesen mit zu beitragen.

Ob jetzt der «Nervengott», der den Niedersachsen Angstzustände verschafft, sobald sie im Frankfurter Strafraum auftauchen, oder der «Gott des gepflegten Dünnpfiffs», der sie heimsucht und ordentlich schwächt.

Eine Alternative wäre auch der «Hessengott», der am Samstag da oben, mit einem Glas Äppler in der Hand, darüber wacht, dass alles gut für uns läuft. Aber vielleicht brauchen wir ja auch gar keine Hilfe von oben. Vielleicht muss sich die Eintracht einfach nur auf ihre eigenen Stärken besinnen und einen derzeit sicherlich nicht besseren Tabellennachbarn ohne jeden Punkt wieder nach Hause schicken. Wäre auch eine Möglichkeit ...

In diesem Sinne!

Hendrik «Henni» Nachtsheim, einst Mitarbeiter der Sportredaktion der Frankfurter Neuen Presse, ist nicht nur in Hessen als die eine Hälfte des Comedy-Duos «Badesalz» bekannt. Früher war er Sänger der Rockband Rodgau Monotones.

Nutzen Sie Facebook?
Dann empfehlen Sie diese Seite Ihren Freunden:

Anzeige - jetzt schalten
0.333