Schach-Team verdient sich heiße Party-Nacht
19.11.2008
Dresden. Den deutschen Schachherren kam die traditionelle «Bermuda-Party» am Montagabend gerade recht: Das Team von Bundestrainer Uwe Bönsch feierte das 2:2 gegen Topfavorit Russland bei der Olympiade in Dresden auf der Party des Insel-Verbandes bis spät in die Nacht.
Schließlich liegt die nach fünf Runden noch unbesiegte erste Auswahl des Deutschen Schachbundes (DSB) beim wichtigsten Mannschaftswettbewerb auf dem geteilten ersten Platz, und sogar das erste Edelmetall seit der Silbermedaille vor acht Jahren in Istanbul scheint möglich.
«Ein 2:2 gegen das beste Team der Welt ist eine kleine Sensation. Dieser Erfolg beflügelt uns und beweist, dass wir mit den Besten der Welt mithalten können», sagte Bönsch. Allerdings wollte der Bundestrainer noch nicht über eine mögliche Medaille sprechen. Ein Platz unter den Top 10 bleibe das Ziel, für alles andere sei es noch zu früh: «Aber wir wollen natürlich bis zur elften Runde jeden Tag Höchstleistung abliefern und so gut wie möglich abschneiden.»
Den gestrigen ersten Ruhetag konnte das an Nummer elf gesetzte Team Deutschland I mit Arkadij Naiditsch (Dortmund), Igor Khenkin (Weilburg), Jan Gustafsson (Hamburg), Daniel Fridman (Bochum) und David Baramidze (Dortmund) an der Tabellenspitze genießen. Vier Siege und ein Unentschieden haben ebenfalls Russland, Titelverteidiger Armenien, Aserbaidschan, England und Deutschlands nächster Gegner Ukraine auf dem Konto.
«Gegen die Ukraine wird es wieder ein sehr schwerer Kampf, in dem wir erneut Außenseiter sind», erklärte Bönsch vor dem Duell am heutigen Mittwoch angriffslustig. Gegen die Osteuropäer hofft der 50-Jährige weiter auf die Topform seines Spitzenspielers Naiditsch.
«Arkadij ist unser Vorkämpfer. Er ist in einer sehr guten Verfassung», meinte Großmeister Bönsch. Der gebürtige Lette trotzte gegen die Russen Ex-Weltmeister Wladimir Kramnik ein Remis ab und steigerte seine persönliche Punkteausbeute auf vier Zähler.
«Die Stimmung in der Mannschaft ist gut. Wir bereiten uns intensiv vor und gehen selbstbewusst in die Partien», erklärte Naiditsch. Das Wort Medaille nahm allerdings auch der 23-Jährige nicht in den Mund.
Derweil sorgte das Jugend-Olympiateam Deutschland II weiter für Furore. Nach dem spektakulären Auftaktsieg gegen Bulgarien bezwang der deutsche Nachwuchs am Montag die favorisierten Argentinier 3:1 und liegt mit drei Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage nur zwei Wertungspunkte hinter der Spitze. Die deutschen Frauen um die frühere Jugend-Weltmeisterin Elisabeth Pähtz (Erfurt) liegen mit der gleichen Bilanz auf dem geteilten 14. Rang.
Überhaupt ist die 38. Schach-Olympiade ein Erfolg: Insgesamt sind 1270 Aktive aus 141 Ländern gemeldet und der Zuschauerandrang im Kongresszentrum am Dresdner Elbufer ist groß. «Die Halle ist brechend voll. Die Stimmung ist toll», sagte Bönsch.
sid