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Alte Schätze vom Dachboden
Von Ente an Adler - Die Eintracht Frankfurt-Kolumne
Von Henni Nachtsheim, 28.10.2008
Henni Nachtsheim mit Ente PatHenni Nachtsheim mit Ente Pat
Eine wahre Geschichte! Zwei Jahre lang stand der Wagen eines betagten Ehepaares aus Essen vergessen am Straßenrand, bis ein Strafzettel wegen Falschparkens die leicht zerstreuten Besitzer wieder auf die Spur ihres Autos brachte! Laut Polizeibericht war das Auto bereits von Spinnweben und hoch gewachsenen Pflanzen umgeben, als die Eheleute den Wagen als den ihren identifizierten.

Wie es dazu kam? Ganz einfach! Das Ehepaar hatte den Wagen nach einem Kirchgang nicht mehr wieder gefunden, und ihn als gestohlen gemeldet. Und jetzt war er plötzlich wieder da!

Bei unserer Eintracht haben sie zwar dieser Tage im Rahmen des Riederwald-Umbaus kein altes Auto ausgegraben, aber dafür immerhin eine Menge anderer Dinge. Irgendwie war es so, als hätte einer gerufen: «Kommt, wir gehen jetzt auf den großen Eintracht-Dachboden und suchen nach all den verschollenen Sachen, die uns in der Vergangenheit stark gemacht haben!»

Und dann sind sie allesamt hochgeklettert und haben so lange gesucht bis sie alles Nötige gefunden haben. Michael Fink zum Beispiel sein altes Selbstbewusstsein, dank dem er dann auch gleich ein wunderschönes und immens wichtiges Tor geschossen hat!

Fenin seine innere Stimme, die ihm sagt, dass er eigentlich ein guter Stürmer und der Ball definitiv nicht sein Feind ist. Oder Liberopoulos den Glauben an sich selbst, denn nur so lässt sich erklären, dass er nach seiner chronischen Glücksresistenz und gefühlten 1000 Fehlversuchen endlich mal in einem Bundesligaspiel traf, und das gleich zum Sieg!

Es muss ein gutes Gefühl für alle gewesen sein, als sie mit Dingen wie Kampfgeist, Moral, ja sogar einer gewissen Lust am Fußball wieder da runter gestiegen sind, wohl ahnend, dass sie damit Fußballspiele durchaus auch mal wieder gewinnen können!

Und nicht nur die Spieler, auch andere scheinen dort oben Verlorengeglaubtes wieder aufgespürt zu haben.

Friedhelm Funkel zum Beispiel hat offensichtlich nach einer vielleicht nachvollziehbaren, aber nicht besonders konstruktiven Wortkargheit seine verbalen Fähigkeiten neu entdeckt!

Denn sowohl seine ausführlichen Interviews in den Frankfurter Zeitungen als auch sein Auftreten vor laufenden Kameras fand ich fast schon als befreiend. Anstatt sich hinter ein paar schlecht gelaunt wirkenden Durchhalteparolen zu verschanzen, hat er offen, transparent und, wie ich finde, glaubwürdig klar gemacht, warum es zur Zeit so ist wie es ist, wie er das einschätzt und vor allem, wie er das zu beheben denkt.

So was hilft meiner Meinung nach in angespannten Zeiten wie diesen, weil er in diesen Momenten nicht nur mit den Journalisten, sondern auch mit uns spricht!

Fast anrührend empfand ich Heribert Bruchhagen, der auf dem Dachboden wohl eine Anleitung zum Thema «Warum ich meine tiefen Emotionen ruhig mal rauslassen soll» aufgespürt hat. Ich weiß zwar, dass er keineswegs so spröde oder nüchtern ist, wie es ihm manche gerne immer wieder unterstellen, aber so gefühlsbetont wie nach dem Sieg gegen den KSC habe ich ihn noch nie in all den Jahren gesehen!

Und auch wenn wir Eintrachtfans selber nicht mit oben waren, so haben sie uns dennoch auch etwas mitgebracht: einen rotschwarzen Flakon mit einem milden Beruhigungsmittel drin, das uns zwar nicht von allen Ängsten und innerer Unruhe befreit, uns aber zumindest mal wieder aufatmen und lächeln lässt.

Dass wir natürlich allesamt hoffen, dass der Trend der letzten Spiele anhält, ist klar. Wobei das Bayernspiel «net richtisch giltet», wie es der kleine Bub bei uns im Nachbargarten immer gerne sagt. Auch wenn die trotz allem keine unbezwingbaren Übermonster sind!

Aber vor allem darüber hinaus, in den Spielen danach, sollten alle Beteiligten all das Wiedergefundene vom Dachboden fest in ihren Händen halten! Allein schon, damit es ihnen letztendlich nicht so geht wie dem alten Ehepaar aus Essen. Deren Geschichte ging nämlich noch weiter.

Als die Polizei die beiden zu ihrem mittlerweile neuangeschafften Wagen bringen wollte, war dieser nicht zu finden. Die alten Leute konnten sich nicht mehr daran erinnern, ob sie zu Fuß oder mit dem Auto gekommen waren...

In diesem Sinne!

Hendrik «Henni» Nachtsheim, einst Mitarbeiter der Sportredaktion der Frankfurter Neuen Presse, ist nicht nur in Hessen als die eine Hälfte des Comedy-Duos «Badesalz» bekannt. Früher war er Sänger der Rockband Rodgau Monotones.

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