Freizeit
Anbieter dieser Webseite
rhein-main.biz Logo
Das Universum, die Eintracht und der ganze Rest
Von Ente an Adler - Die Eintracht Frankfurt-Kolumne
Von Henni Nachtsheim, 26.09.2008
Henni Nachtsheim mit Ente PatHenni Nachtsheim mit Ente Pat
Wissen Sie, was ich mich manchmal frage? Wenn es irgendwo im weiten Universum tatsächlich intelligentes Leben gäbe, womöglich deutlich intelligenter als auf unserem Planeten, was würden die dort, wenn sie uns denn beobachten oder gar studieren können, über uns denken? Was fänden sie beeindruckend, und was völlig daneben?

Wie würden sie zum Beispiel dieses unendliche Streben der Menschen nach Steigerungen empfinden? Dieses ewige «höher, schneller, weiter»… als gäbe es nix anderes. Was würden sie empfinden, wenn sie uns bei Olympischen Spielen oder einer Fußball-WM zuschauen würden?

Oder bei Radrennen, bei denen fast alle irgendwelche chemischen Leckerlies intus haben, um als Erster ins Ziel zu kommen, und dabei auch noch bekloppterweise wirklich glauben, dass ausgerechnet sie dabei nicht erwischt werden! Und was erst würden Außerirdische empfinden, wenn sie mitbekämen, was es auch außerhalb des populären Sports für ein skurriles Streben nach Rekorden gibt?

So wie zum Beispiel diese Geschichte eines Amerikaners namens Jackie Bibby, der am 19. Mai 2001 acht lebende Klapperschlangen am Schwanz 12,5 Sekunden lang ohne fremde Hilfe in seinem Mund behielt und deswegen jetzt in dieser Sparte Weltrekordhalter ist. Das ist doch der Hammer! Wenn ich mir überlege, dass ich schon meine Probleme habe, wenn ich mir mehr als drei von diesen Gummiteufeln in den Mund stopfe!

Oder nehmen wir Arulanantham Suresh aus Australien, der vom 22. bis 25. Mai 1997 im Uihara-Maha-Devi-Freiluftstadion in der Rekordzeit von 76 Stunden und 40 Minuten auf einem Fuß balancierte. Mein Orthopäde würde mir was erzählen, wenn ich das auch nur eine Viertelstunde versuchen würde.

Ebenfalls beeindruckend der erstaunliche Appetit des Engländers Ken Edwards, der am 5. März 2001 live vor laufenden Kameras in einer Minute 36 Küchenschaben aß. Und auch wir Deutschen haben stolze Leistungen zu präsentieren! So hat etwa Birgit Berends aus Cuxhaven mit 2520 Exponaten die größte Pinguinsammlung. Wer kann das schon von sich behaupten?

Und weil Rekorde irgendwie immer in und von Natur aus etwas ganz Besonderes sind, hat sich jetzt auch unsere Eintracht mal einen gesichert. Patrick Ochs hat nämlich auf Schalke das 43. Frankfurter Eigentor in der Bundesligageschichte geschossen, und das kann sonst kein anderer Verein aufweisen. Es soll übrigens auch Leute geben, die den Platzverweis von Chris gerne zum unnötigsten des Jahres hätten krönen lassen, aber auch wenn sein Ellbogencheck nicht gerade das Ergebnis einer betont ausgereiften Überlegung war, so gab es dennoch durchaus noch dümmer erbettelte Rote Karten in den letzten Wochen.

Einen weiteren Rekord wie die «schlechteste Hinrunde der Vereinsgeschichte» wird uns die Eintracht aber ersparen, soviel Vertrauen habe ich ganz sicher in die Mannschaft und auch in ihren Trainer. Klar ist der Blick auf die Tabelle derzeit nicht gerade das, was einen dazu veranlassen könnte, sein Haus rotschwarz anzustreichen, und sicherlich kratzt die Eintrachtbettwäsche momentan ein bisschen beim Einschlafen.

Aber solange wir das Ergebnis des ausgefallenen Spiels gegen den KSC nicht kennen, ist es mit besagter Tabelle in etwa so wie wenn ich als Kind Häuser ohne Fenster, Hunde mit drei Beinen oder meine Oma ohne Kopf gemalt habe: Sie ist einfach nicht komplett und entspricht deswegen (hoffentlich) nicht den Tatsachen.

Aber auch ohne das noch offene Match könnten wir am Sonntag kollektiv erleichtert werden, nämlich wenn die Eintracht Arminia Bielefeld einfach mal souverän, am Besten zu null, schlägt. Das würde zwar bedeuten, dass Artur Wichniarek seiner Mutter im Himmel ausnahmsweise mal kein Tor widmen könnte, aber da ihr Sohn sie ja in den letzten Wochen damit durchaus ausreichend versorgt hat, würde sie ihm das bestimmt milde nachsehen.

Ich jedenfalls würde mich ziemlich doll über einen Sieg freuen. Ja, ich würde dermaßen ausrasten, dass das alle Gefühlsausbrüche dieser Welt locker verblassen lassen würde. Und selbst wenn dann irgendwelche Außerirdischen fassungslos den Kopf schütteln, weil ich gerade den Rekord im Ausflippen eingestellt habe, es wäre mir egal.

Mag ja sein, dass man auf fremden Planeten mehr weiß als auf unserem. Aber wie es ist, Eintrachtfan zu sein, das wissen nur wir.

In diesem Sinne!

Hendrik «Henni» Nachtsheim, einst Mitarbeiter der Sportredaktion der Frankfurter Neuen Presse, ist nicht nur in Hessen als die eine Hälfte des Comedy-Duos «Badesalz» bekannt. Früher war er Sänger der Rockband Rodgau Monotones.

Nutzen Sie Facebook?
Dann empfehlen Sie diese Seite Ihren Freunden:

Anzeige - jetzt schalten
0.296