Freizeit
Anbieter dieser Webseite
rhein-main.biz Logo
Im verbalen Würgegriff
Von Ente an Adler - Die Eintracht Frankfurt-Kolumne
Von Henni Nachtsheim, 12.09.2008
Henni Nachtsheim mit Ente PatHenni Nachtsheim mit Ente Pat
«... jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate-identity, die mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr geupgedatet wird!»

Kennen Sie das Zitat? Es ist zugegebenermaßen nicht mehr ganz neu, und ich bin auch nicht der Erste, der es hier genießerisch auf den Tisch legt, aber das ist eigentlich auch egal. Gesagt hat es irgendwann 2007 Hilmar Kopper in seiner damaligen Funktion als Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Ob er das tatsächlich ernst gemeint hat oder einfach nur komplett bekifft war, ist nicht überliefert.

Aber es macht uns deutlich, was man, ungeachtet des geistigen Zustandes, mit Sprache alles anstellen kann. Und vor allem, dass sich Worte nicht wehren können! Es heißt zwar schon immer «Papier ist geduldig», aber was sollen da erst die armen gesprochenen Worte sagen?

Oftmals ungeachtet ihrer eigentlichen Bedeutung oder Wertigkeit werden sie erst durch viel zu enge Gehirngänge gequetscht, dann gewaltsam in Richtung Stimmbänder geschoben, um letztendlich durch den Mund nach draußen zu gelangen, ob sie das nun wollen oder nicht. Wir reden immer gerne vom Wohlklang der Sprache, von Poesie und klugen Formulierungen. Aber wer macht sich Gedanken um all die misshandelten Worte, die gnadenlos aus den Mündern irgendwelcher mitteilungsbedürftiger Halbhirne gespuckt werden?

Ich glaube, wenn Wörter Mägen hätten, viele würden sich aus Scham über den Umgang mit ihnen übergeben. Betrachtet man es genau, sind Leute, die viel und laut hohles Zeug von sich geben, eigentlich so was wie die Folterknechte unserer Sprache, sind die Lothar Matthäuse dieser Welt die personifizierten Guantanamos unserer Wörter.

Wobei man dazu anmerken muss, dass ja nicht die Wortakrobaten selbst in erster Linie verantwortlich dafür sind, sondern diejenigen Fernsehsender und Zeitungen, die ihnen das nötige Forum bieten! Aber gefoltert wird ja bekanntlich nicht nur da, wo es alle mitbekommen, sondern vor allem auch auf unzähligen Nebenkriegsschauplätzen.

Erst vor zwei Wochen wurde ich selbst Opfer einer schlimmen Laberattacke. Und ohne die geringste Chance auf Flucht. Ich stand vor einer Autowaschanlage, als plötzlich der Fahrer des nächsten Fahrzeugs ausstieg, auf mich loslief, um mich sofort gnadenlos in den verbalen Würgegriff zu nehmen.

«Du bist doch dieser Typ da, dieser Henning Nachtweih ... der von dem Badewassertrio, gell? Und Du schreibst doch auch so in der Zeitung über die Eintracht. Hier, jetzt sag ich Dir ma was ... die steische ab dies Jahr! So wie die die erste beiden Spiele gekickt habbe, so bleibt des nämlich bis zum Saisonende. Keine drei Woche mehr, dann schicke se den Funkel in die Wüste ... und zwar zu Recht ... weil er nämlich sein Pulver komplett verschosse hat! Der erreicht die Spieler doch gar net mehr ... Weißte, wen diese Mannschaft jetzt braucht, mal abgesehe, davon dass die hoffnungslos überaltert ist ... so jemanden wie de Rolf Schafstall oder de Peter Neururer ... des sind noch Trainer! Und de Bruchhagen könne se gleich mitfeuern, der hat eh kei Ahnung. Kennste den Walter Hackbach? Dem gehört diese Spiralfederfabrik in Lämmerspiel! Des wär der Richtische für die Eintracht, der würdse nach obbe führn, des glaubste aber ...! Naja, jetzt am Samstag in Wolfsburg krieje se sowieso sechs Dinger, und dann dauert des eh net mehr lang ...!”

Noch nie ist mir die Premiumwäsche meines Autos so schmerzhaft lange vorgekommen, und selten hatte ich spontan so schlimme Gewaltphantasien wie in diesen Minuten, zum Beispiel den Primaten genau dann in die Anlage zu schubsen, wenn die Heißwachsveredlung startet!

Aber mittlerweile liegt das alles vierzehn Tage zurück, und ich habe mich doch schneller davon erholt, als ich das selbst erst geglaubt hätte. Ja, und nachdem die Eintracht ihr erstes ziemlich gutes Saisonspiel abgeliefert und bei einem der häufig genannten Mitanwärter auf den Titel einen wertvollen Punkt geholt hat, dazu auch noch Chris aus seinem neben ihm schwebenden Astralleib wieder zurück in seinen eigenen, realen Körper zurück gefunden hat, habe ich mich sogar dabei ertappt, meinen Peiniger suchen zu wollen, um ihm einfach mal besserwisserisch in die Augen zu schauen.

Aber es würde nichts bringen. Dummfolterer bleiben nun mal Dummfolterer, das war schon immer so, und das wird auch so bleiben, egal ob es dabei um Fußball, Musik, Politik oder sonst was geht. Aber solange man das aufgrund seiner inneren Stärke aushält, und solange sie einen mit ihrem Anti-IQ-Virus nicht infizieren, wird die Menschheit sie überleben! Und wir Eintrachtfans erst recht!

In diesem Sinne!

Hendrik „Henni“ Nachtsheim, einst Mitarbeiter der Sportredaktion der Frankfurter Neuen Presse, ist nicht nur in Hessen als die eine Hälfte des Comedy-Duos «Badesalz» bekannt. Früher war er Sänger der Rockband Rodgau Monotones.

Nutzen Sie Facebook?
Dann empfehlen Sie diese Seite Ihren Freunden:

Anzeige - jetzt schalten
0.839