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Simmons und Gordon sind keine Alleinunterhalter mehr
von Harald Joisten, 10.09.2008
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Lorenzo Gordon (links) und Keith Simmons.
Antalya. Sie fühlen sich wie Geschwister. «Er ist für mich wie ein großer Bruder», sagt Keith Simmons, und Lorenzo Gordon ergänzt lächelnd: «Wenn Keith down ist, richte ich ihn wieder auf – und umgekehrt.» Solche Sprüche kennt man mitunter von amerikanischen Profisportlern. Fern der Heimat suchen sie Halt und flüchten sich oftmals in Floskeln. Doch bei Gordon und Simmons scheint die Chemie wirklich zu stimmen.

Seit gut einem Jahr kennen sie sich, spielten eine Saison lang zusammen beim türkischen Basketball-Erstligisten Kepez Antalya. Gordon, 25 Jahre alt und der kräftigere der beiden, war dort mit durchschnittlich 21,3 Punkten und 8,6 Rebounds der Topspieler der Mannschaft. Simmons, 23, kam in seiner ersten Saison außerhalb Amerikas auf 16,1 Punkte und 5,7 Rebounds. Er war damit auf Anhieb zweitbester Scorer bei Kepez.

Als Gordon im Sommer den Verein verließ und bei den Deutsche Bank Skyliners anheuerte, musste Simmons nicht lange überlegen. «Das hat meine Entscheidung stark beeinflusst, auch nach Frankfurt zu gehen», sagt er. Wenig später unterschrieb auch er bei den Hessen.

Und so sind sie nun wieder zusammen – mit neuen Voraussetzungen. Denn bei dem Bundesligisten werden sie nicht mehr die Alleinunterhalter sein. Das Team ist ausgeglichen besetzt, Gordon und Simmons sind ein Teil des Puzzles. «Ich finde es gut, viele gute Spieler um sich zu haben», sagt der 1,96 Meter große Simmons, «das nimmt den Druck von einem.» Und Gordon, 2,01 Meter groß, ergänzt: «Viele in der Mannschaft können 20 Punkte machen. Dadurch sind wir schwer auszurechnen. Das fühlt sich gut an.»

Neu ist für sie neben der Rolle im Team und der Stadt (Gordon: «Frankfurt erinnert mich wegen der großen Gebäude ein bisschen an die USA.») auch ihre Position auf dem Parkett. In Antalya wurde Gordon überwiegend als Power Forward eingesetzt. In Frankfurt tritt er derzeit meist als Center auf, was nicht seine Lieblingsposition ist. «Ich kann beides spielen. Aber wenn der Club noch einen neuen Center holen würde und ich dann mehr Power Forward spielen könnte, wäre das vielleicht besser für mich», sagt der 111-Kilo-Koloss mit dem Sternzeichen Stier, der seinen stämmigen Körper unter dem Korb geschickt einzusetzen weiß.

Auch der flinke Simmons, den ein starker Drang zum Korb und eine enorme Sprungkraft auszeichnet, muss sich in Zukunft etwas umstellen. Jetzt spielt er mehr auf der Position des Shooting-Guards als auf dem Flügel. «Ich bin gerne Flügelspieler, da kann man Gegenstöße laufen und Korbleger machen», sagt er. Doch einem Athleten wie ihm, der aus einer achtköpfigen Basketball-Familie stammt und schon mit vier Jahren erstmals auf den Korb warf, fällt die kleine Umstellung freilich nicht schwer. Beide gaben in der Vorbereitung ohnehin bislang ein gutes Bild ab.

Beim Turnier in Antalya, wo sie gestern mit den Skyliners zum Abschluss mit 74:68 gegen Gastgeber BSC gewannen und damit in der Endabrechnung den zweiten Platz belegten, bekamen Gordon und Simmons stets den meisten Applaus der Zuschauer. Man kennt und mag sie hier, obwohl beide vergangene Saison für das Konkurrenzteam Kepez spielten. Beste Frankfurter Werfer gestern waren Evtimov (19 Punkte), Roller und Simmons (je 13).

Die «Brüder» sind also glücklich. Und in einigen Monaten kommt der nächste Verwandte hinzu. Diesmal sogar ein echter. Denn der derzeit verletzte Skyliners-Guard Jimmy McKinney, der nach seiner Handoperation noch länger ausfällt, ist ein Cousin von Gordon. «Jimmy und ich haben früher auf der Highschool zusammen drei Meisterschaften gewonnen», erinnert sich Gordon. Und so lautet sein Ziel in Frankfurt ganz klar: «Ich möchte Titel gewinnen.» Und Keith widerspricht da nicht.



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