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Wetterau-Museum zeigt Fragmente jüdischer Geschichte
19.08.2008
Eine Besucherin schaut sich am Dienstag (19.08.2008) in den Räumen des Wetterau-Museums in Friedberg (Wetteraukreis) ein Notizbuch Heinrich Ehrmanns an, einst bedeutendster jüdischer Religionslehrer der Stadt.
Friedberg (dpa) Eine Thorakrone, ein Thoraschild und eine mittelalterliche Gewürzbüchse schweben scheinbar im Raum: Die drei «Holovisionen» stehen im Mittelpunkt der Sonderausstellung «Fragmente jüdischer Geschichte in Friedberg».

Mit der Schau, die noch rund 100 andere Exponate bietet, erinnert die Wetterau-Stadt erstmals an mehr als 750 Jahre jüdischen Lebens in Friedberg und an eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Deutschlands.

Dabei bedient sich das Wetterau-Museum einer von der Technischen Universität Darmstadt entwickelten Technik der virtuellen dreidimensionalen Wiedergabe; in der am Dienstag eröffneten Schau werden bis 23. August 2009 bewegte Bilder von Ritualgegenständen gezeigt.

Die in Darmstadt entwickelte Technik sei erstmals für einzelne Objekte angewendet worden, sagte Kuratorin Katharina Rauschenberger am Dienstag in Friedberg. Die drei Originale aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind im «Jewish Museum New York» zu sehen.

Es sei nicht gelungen, sie zu leihen, so dass nach einer anderen Präsentationsform gesucht werden musste. Durch die Holovisionen würden die Gegenstände gezeigt, aber zugleich auch deutlich, dass sie nicht mehr in Friedberg seien, woher sie stammten.

Der Betrachter nimmt etwa Thorakrone und Thoraschild aus Silber und Gold in Originalgröße wahr, wenn er auf die dreidimensionalen bewegten Bilder in schwarzen Boxen schaut. Sie dienten dem Schmuck der Thorarolle für den Gottesdienst, wie Rauschenberger sagte.

Die Ausstellung wirft aber auch mit historischen Schriftstücken, Fotos, Bildern, Objekten und Filmen einen Blick auf das Leben der jüdischen Gemeinde in Friedberg von ihren Anfängen im 12. Jahrhundert bis zu den Deportationen in der Nazi-Zeit. Mehr als 100 Exponate - darunter um die 20 Originale - werden gezeigt.

Zu sehen ist etwa eine hebräische Lesefibel von 1906, die dem bedeutendsten jüdischen Religionslehrer in Friedberg, Heinrich Ehrmann (1856-1931), gehörte, wie Ausstellungsinitiator Hans-Helmut Hoos sagte.

Solche Fibeln waren in vielen Haushalten zu finden und dienten dem Erlernen der hebräischen Sprache. Auch ein Notizbuch Ehrmanns ist ausgestellt, in dem der Lehrer Notenlisten führte.

Öffnungszeiten Wetterau-Museum:

Dienstag bis Freitag 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr

Eintrittspreise:

Zwei Euro für Erwachsene, ermäßigt 1 Euro.

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(cached version 2009-01-06 21:28:20, next update: 21:35:20)