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Der Adel in Hessen
Königin und Thronfolger kommen auch mal privat
Von Ira Schaible, 06.08.2008
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Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg und Büdingen posiert mit Schlosshund Patch vor seinem Stammschloss im hessischen Büdingen (Archivfoto vom 17.6.1996).Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg und Büdingen posiert mit Schlosshund Patch vor seinem Stammschloss im hessischen Büdingen (Archivfoto)
Frankfurt (dpa) Hessen ist nicht unbedingt als Heimat des Hochadels bekannt - die Adelsfamilien allerdings, die hier zu Hause sind, haben engste Verbindungen zum europäischen Königshäusern.

Und weil sie die Kontakte gerne pflegen, darf sich auch Hessen gelegentlich im königlichen Glanz sonnen, wenn der britische Thronfolger Charles zum privaten Verwandtenbesuch ins südhessische Langen oder Königin Beatrix der Niederlande nach Bad Arolsen kommt. Der Prinz und die Monarchin haben ihre familiären Wurzeln in Hessen.

Seit die englische Prinzessin Victoria im 19. Jahrhundert den späteren deutschen «Drei-Monats-Kaiser» Friedrich III. heiratete und deren Tochter Margarete den Prinzen Friedrich Karl von Hessen-Kassel, sind England und die hessischen Herrscherlinien vielfach verknüpft. Beatrix hingegen ist die Cousine von Wittekind Fürst zu Waldeck und Pyrmont.»

Man sieht sich manchmal öfter und manchmal seltener, wie das mit Verwandten eben ist», sagte der Fürst, als die Königin Anfang Juli nach Bad Arolsen reiste, um sich eine Ausstellung zum 150. Geburtstag ihrer Urgroßmutter Emma anzusehen.

Neben dem Haus Hessen und dem Fürstentum Waldeck und Pyrmont gehören vor allem die Geschlechter Solms, von Erbach und eine Linie des weit verzweigten fürstlichen Hauses Stolberg zum Adel in Hessen.

Bekanntester Vertreter des Adelsgeschlechts der Solms ist der ehemalige Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion und Ex- Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Hermann Otto, der eigentlich Hermann Otto Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich heißt und mit seiner Familie im mittelhessischen Lich wohnt.

Die beiden anderen Linien der Solmser sind in Braunfels und Laubach zu Hause. Stammsitz war seit etwa 1100 die Burg Solms in der gleichnamigen Stadt, ihre letzten Reste wurden Anfang der 50er Jahre abgerissen.

Moritz Prinz und Landgraf von Hessen vereint die beiden hessischen Herrscherhäuser wieder, die seit der Erbteilung 1567 getrennt waren. Der 81-Jährige entstammt der älteren Hauptlinie Hessen-Kassel. Seine Mutter war Prinzessin Mafalda, die Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel III., die 1944 im Konzentrationslager Buchenwald starb.

Moritz ist zugleich Adoptivsohn der letzten Vertreterin des Hauses Hessen-Darmstadt, der kinderlosen Prinzessin Margaret von Hessen und bei Rhein. Sie hatte 1937 in London Ludwig geheiratet, einen Schwager von Prinz Philip und Sohn des letzten regierenden Großherzogs Ernst-Ludwig. Auf dem Weg zur Trauung kamen Ludwigs älterer Bruder, der Erbprinz Georg Donatus, und dessen Familie bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Nach Margarets Beisetzung Ende der 1990er Jahre, zu der auch ihr Großneffe Prinz Charles und sein Vater Prinz Philip angereist waren, verlegte Landgraf Moritz seinen Wohnsitz von Kronberg nach Langen ins Schloss Wolfsgarten, in dem zuvor seine Adoptivmutter gelebt hatte.

Das Anfang des 18. Jahrhunderts erbaute Jagdschloss gehört zu den «Kulturwerten des Füstenhauses aus mehr als acht Jahrhunderten», die die Hessischen Hausstiftung verwaltet. Die Familienstiftung, die Moritz' Sohn, der Betriebswirt Prinz Donatus, führt, will das Wirken der Landgrafen von Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt sowie der wie Kurfürsten und Großherzöge von Hessen bewahren.

Die britische Königin Elisabeth vertraut bei ihren seltenen Deutschlandbesuchen aber nicht auf den Wein aus dem Gut der ihr nahestehenden Hausstiftung, sondern auf Riesling vom «Königin Victoria-Berg» des Hochheimer Weingutes Hupfeld.

Elisabeths Ur-Ur-Großmutter soll bei einer Weinprobe mit ihrem deutschen Ehemann Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha so begeistert von dem Riesling gewesen sein, dass sie dem Weingut die Erlaubnis gab, eine Lage «Königin Victoria Berg» zu nennen.

«Good Hock keeps off the doc» (Guter Hochheimer Wein hält den Arzt fern) soll Königin Victoria gesagt haben, als zu ihrem 35. Geburtstag der damalige Weinberg- Besitzer ein Victoria-Denkmal inmitten der Reben am Mainufer errichtete.

Das niederländische Königshaus geht auf den 1533 geborenen Wilhelm von Nassau-Dillenburg zurück, der dank einer Erbschaft 1544 an das französische Fürstentum Oranien und an niederländische Besitzungen gekommen war.

Emma Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont, geboren 1858 im Schloss in Arolsen und zweite Frau des 41 Jahre älteren Königs Wilhelm, brachte durch geschickte Diplomatie ihre Tochter Wilhelmina als erste Frau auf den Thron der Niederlande. Der ist seither fest in Frauenhand - derzeit besetzt ihn ihre Ur-Enkelin Beatrix.

Im Unterschied zum europäischen Hochadel nimmt die Öffentlichkeit allerdings nur selten Notiz von den fürstlichen und gräflichen Familien aus den hessischen Landstrichen. Schlagzeilen machten in den vergangenen Jahren aber Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg und Büdingen und Casimir Johannes Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg.

Gegen Ysenburg, einen der größten Waldbesitzer in Hessen, wurden als Präsident des Automobilclubs von Deutschland (AvD) Untreue-Vorwürfe laut. Der ehemalige CDU-Landesschatzmeister Wittgenstein wurde in der Schwarzgeldaffäre seiner Partei gemeinsam mit dem inzwischen wegen Untreue verurteilten ehemaligen Innenminister Manfred Kanther angeklagt. Das Verfahren gegen Wittgenstein, dem in Nidda das Hofgut Haubenmühle gehört, wurde jedoch aus gesundheitlichen Gründen eingestellt.


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