Neuvorstellung
Feudales Maybach Landaulet
Konkurrenz mit Zuwächsen
21.11.2007
Das Cabrio für die Hintensitzenden: Der Maybach Landaulet soll im nächsten Jahr in Kleinstserie gehen. Kostenpunkt: rund eine Million Euro.
Foto: tg
Steckbrief:
Modell: Maybach Landaulet Studie
Bauart: Cabrio
Motor: 6,0 Liter, 12 Zylinder
Drehmoment: 1000 Nm bei 2.000 U/min
Fahrleistung: 612 PS
Serienausstattung: DVD-Spieler, 6x- CD-Wechsler, Kühlfach
Verkaufsstart: 2008
Preis: ca. 1 Million Euro
Modell-Übersicht:
Hintergrund:
Quelle:
Stuttgart (fnp) Mercedes setzt Blaublütler, Geldadel, Stars und Sternchen an die frische Luft und präsentiert als dritte Spielart der Luxuslimousine Maybach jetzt ein feudales Landaulet.
Noch ist die ganz im Geist klassischer Repräsentationsfahrzeuge entworfene Sonnenterrasse auf Rädern nur eine Studie, die passender Weise Mitte des Monats auf der Motorshow in Dubai präsentiert wird. Doch hegt selbst bei den zurückhaltenden Schwaben keiner mehr Zweifel daran, dass der Wagen im nächsten Jahr auch in Serie geht. Der Begriff Serienfertigung allerdings ist dabei wahrscheinlich trotzdem schon falsch. Schließlich werden ja schon die Limousinen in einer Manufaktur gefertigt, die für das Landaulet vollends auf Handarbeit wechselt. Deshalb schätzt Markenchef Klaus Nesser die Lieferzeit auf neun bis zwölf Monate und den Preis auf „knapp eine Million Euro“.
Für den luftigen Luxusliner haben die Schwaben den Maybach 62S in einer chirurgischen Operation vom hinteren Dachelement befreit und Stahl durch Stoff ersetzt. Auf Knopfdruck kann sich der Fond der Luxuslimousine nun binnen 16 Sekunden fast vollends entblättern. Das siebenlagige Verdeck faltet sich eng hinter die Sitze und verschwindet bei Bedarf unter einer dreiteiligen Persenning, die ausfahrbaren Luxussessel werden zu Sonnenliegen und der Maybach zur wahrscheinlich exklusivsten rollenden Terrasse der Welt.
Wie in der guten alten Zeit, als Maybach etwa mit dem DS8 ein Landaulet für Kaiser und Könige gebaut hat, sind die Rollen im Auto auch bei der Neuinterpretation klar verteilt. Während die Passagiere hinten in einer Luxuswelt schwelgen und von dem alles dominierenden Weiß der Ausstattung noch hervorgehoben werden, verschwindet der Fahrer vorn in der Unauffälligkeit. Nicht dass er hinter dem Steuer wirklich unbequem oder gar spartanisch wäre, doch ist dort alles in Schwarz gehalten, um den Blick ja nicht von den Hauptdarstellern im Heck abzulenken. Selbst die Scheibe, die den Fahrer vom Fond trennt, lässt sich auf Knopfdruck schwarz einfärben.
Angetrieben wird die Studie wie der geschlossene 62S von einem doppelt aufgeladenen Zwölfzylinder, der aus sechs Litern Hubraum 612 PS schöpft und brachiale 1000 Nm auf die Straße bringt.
Das Landaulet bringt Maybach zu einer Zeit ins Gespräch, in der die Kollegen bei Bentley und Rolls Royce mit dem Druck aus Marketing und Kostenkontrolle ihre Modellpalette erweitern. Die Schwaben dagegen folgen keinen internen Vorgaben, sondern den Wünschen eines Kunden, der wider Erwarten nicht aus den Golf-Staaten kommt, sondern ein Unternehmer und Sammler aus Europa sein soll. Bei der Mercedes-Edelmarke ist man allerdings davon überzeugt, dass auch ein paar Scheichs aus dem Mittleren Osten und einige Sehr-Viel-Besserverdiener in den USA auf den Geschmack kommen werden, weshalb die Realisierung des Projekts „Vision Landaulet“ quasi beschlossene Sache ist.
Angepeilte Absatzziele wurden nie erreichtFreilich wird aber auch das „Cabrio für die Hintensitzenden“ der Marke Maybach insgesamt nur wenig weiterhelfen. Rund fünf Jahre nach der Markteinführung lässt sich eine gewisse Ernüchterung nicht leugnen. Die High-End-Luxuslimousine konnte die hohen Erwartungen nie erfüllen. Die angestrebte Jahres-Produktion von 1000 Exemplaren wurde nie auch nur annäherend erreicht. Ja, mittlerweile können die Stuttgarter froh sein, wenn sie wenigstens noch 400 Exemplare weltweit absetzen.
In den USA als wichtigstem Absatzmarkt wurden 2006 statt des angestrebten Volumens von 600 Einheiten gerade mal noch 146 Maybachs verkauft, was laut „Automobilwoche“ 29 von 71 Franchise-Partner zur Aufgabe zwang.
Konkurrent Rolls-Royce weitet Modellpalette ausZwar blieb auch Hauptkonkurrent Rolls Royce seit der Übernahme durch BMW hinter den eigenen Vorgaben zurück, doch findet der Phantom, mittlerweile als Limousine und Cabriolet erhältlich, weltweit nahezu doppelt so viele Abnehmer. Und mit Hilfe des angekündigten Coupés, das im Sommer 2008 kommen wird, sowie eines möglichen kleineren Modells, das ab 2010 die Lücke zum Siebener-BMW schließen soll, hoffen die bajuwarischen Briten dann doch schon bald die 1000er-Marke zu knacken. Die Rolls-Royce-Verkäufe, die im Vorjahr weltweit bei exakt 805 Fahrzeugen lagen, werden, wie Pressesprecher Graham Biggs verkündet, auf jeden Fall auch in diesem Jahr wieder zulegen.
(TG/ml)