Kraan - Psychedelic Man
Nicht zum alten Eisen
Von Hadayatullah Hübsch,
12.04.2007
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Frankfurt (fnp) Wie oft und warum sich die Krautrock-Band «Kraan» seit ihrer Gründung im Mai 1971 schon aufgelöst und wieder formiert hat, ist vielleicht eine Doktorarbeit der Psychologie wert.
Aber die Tatsache, dass sie praktisch in der Ur-Besetzung mit Jan Friede, Hellmut Hattler und Peter Wolbrandt, verstärkt durch den 1976 hinzugestoßenen Pianisten Ingo Bischof, im 37. Lebensjahr wieder eine Scheibe vorlegen, die sich nahtlos einreiht in den Kraanich-Flug durch mögliche und unmögliche Musikwelten, lässt aufhorchen.
«Psychedelic Man» ist indes nicht das Werk von Hanflingen, die, einmal auf den Trip gekommen, dort hängen geblieben sind. Zwar gibt es das typische Wabern und Flirren von Keyboards und Gitarren auf den meist ohne Texte auskommenden elf Stücken, aber die Bombastischen Vier der Gruppe verharren nicht in der Heimeligkeit ihres Landhauses, sondern ziehen sich auch mal ein Ethno-Musik-Gewand an und pilgern nach Dakkar oder, auf der Bonus-DVD, nach Arabien.
Spiellaune und Kreativitätsdrang und die Lust, noch einmal zu zeigen, was in ihnen steckt, fügten sich im Studio zueinander, und ohne einen Produzenten spielten sie dann drauf los, was die Stringenz und Harmonie der Platte erklärt. Nicht zuletzt aber auch, warum sie in den 70ern nicht nur «Newcomer des Jahres» waren und mit «Andy Nogger» eine als «LP des Jahres» ausgezeichnete veröffentlicht hatten, die in den USA auf Platz 9 der Hitparade der am häufigsten im Radio gespielten LPs kletterte, sondern als eine der besten deutschen Live-Gruppen galten.
Mit derlei Ruhm ausgestattet will man nun erneut beweisen, dass man noch nicht zum alten Eisen gehört. Und das gelingt, was auch daran liegt, dass sich die Band von den Klängen neuerer Bands inspirieren lässt und trotzdem auf bewährte Qualitäten setzt. Neben dem Studio-Album besticht vor allem die beigelegte DVD, die ihren Auftritt auf dem «Finkenbach-Festival 2005» dokumentiert. Da spürt man die Sehnsucht nach Freiheit, die einst für eine Pop-Revolution sorgte wieder, und dieses Gemisch aus schleppenden und treibenden Phasen, aus einlullenden und aufbegehrenden Tönen hat alles, was es braucht, um die Gehörgänge zu entstauben.
«Das Gefühl der Musik ist wichtiger als eine spezielle Botschaft», sagt demzufolge der «Kraan»-Gitarrist Peter Wolbrandt, um zu erklären, warum nur vier der neuen Stücke mit Worten ausgestattet sind. Und auch sie haben eher lautmalerische Funktion, denn die Rolle eines Wegweisers. Doch die Reduzierung auf das Instrumentale birgt auch Gefahren. Gar zu leicht können Stücke wie «Alles Gute» oder «Feierabend» zum bloßen Hintergrundgeräusch verkommen. Bewusstes Zuhören, das Türen zu neuem Verständnis der Innen- und Außenwelt mit sich bringen könnte, geht leicht verloren durch das träumerische Mitschwingen im Entspannungszustand, zu dem vieles auf der CD verlockt. Beim Live-Auftritt jedoch kommt naturgemäß eine kommunikativere Seite zum Einsatz. Ein bisschen Sturm und Drang inmitten des Wohligseins tönt dann durch. Ein Sog wird spürbar, der immer wieder Aufbruchsstimmung und forschendes Herantasten an bislang Ungehörtes kreiert.
Oftmals auch wird Jazziges bevorzugt, was auf die Ursprünge der Band hinweist, denn Friede, Hattler und Wolbrandt gehörten Ende der 60er Jahre zu einer Free-Jazz-Clique in Ulm, bevor sie sich auf Hardrock einließen, um dann erst zu «Kraan» zu werden, wobei sie bei der Namensnennung wert darauf legten, dass er keine Bedeutung haben soll. Sie hieven dennoch wie ein Kran aus dem Alltagswust.
Nach Angaben der Firma Emi wird die CD ohne Kopierschutz verkauft.