Rauchverbot: Sorgen und Hoffnungen bei hessischen Wirten
24.03.2007
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Rauchverbot in Gaststätten bleiben umstritten
Frankfurt (dpa) Das geplante Rauchverbot auch in Gaststätten trifft unter Hessens Wirten auf ein geteiltes Echo. Während viele um ihr Geschäft fürchten, hegen einige auch Hoffnungen auf zusätzliche Umsätze, wie eine dpa-Umfrage ergab. Kein Problem haben größere Gaststätten, die einen separaten Raum für Raucher anbieten können.
Im Marburger Innenstadtbistro «Brasserie» ist das Rauchverbot längst zu einem bevorzugten Gesprächsthema geworden. «80 Prozent unserer Gäste fänden ein Verbot richtig blöd, das bekommt man in Gesprächen mit», sagt die Kellnerin Bianca Kuhlmann.
Die 25-Jährige, die selbst raucht, befürchtet wie ihre Kollegen, dass mit einem Rauchverbot die Kunden wegbleiben. «Zu uns kommen sehr viele Studenten, denen das richtig stinkt», sagt Kuhlmann.
«Dann kann ich meine Kneipe zumachen», befürchtet der älteste Gastwirt in Rüsselsheim, Eberhard Orlamünder. In seiner typischen Eckkneipe mit Billardtisch und Premiere-Fußball «Haferkasten» sind rund 80 Prozent der Gäste Raucher.
«Wenn die nicht mehr rauchen dürfen, kommen die auch nicht mehr», sagt der 75-Jährige. «Dass das Rauchen nicht gesund ist, wissen wir alle, aber mit dem Argument müsste man ja auch den Alkohol verbieten.» Für ein Rauchverbot in Speiselokalen hätte er Verständnis. «Da mache ich auch meine Zigarette aus.»
Der Wirt des Weinlokals Schaab-Louis in Rüsselsheim, Ralf Hummel, rechnet mit einem deutlichen Gästeschwund, wenn es ein absolutes Rauchverbot geben sollte. «Wir haben einen gesonderten Raum für Raucher, und damit sind alle zufrieden.»
Ein generelles Rauchverbot für Gaststätten lehnt er ab. Skepsis herrscht auch im «Havanna am Markt», direkt gegenüber von Rathaus und Landtag in Wiesbaden: «Ohne Rauchen würde uns die Hälfte der Gäste wegbleiben. Ich selbst würde da auch nicht mehr weggehen», sagt die Angestellte Lan Mai.
«Wir machen drei Kreuze, wenn das Gesetz endlich kommt», sagt hingegen ein Angestellter der Frankfurter Apfelweinkneipe «Lahmer Esel». In dem eher auf Familien ausgerichteten Lokal ist bislang schon das Rauchen von Zigarren, Zigarillos und Pfeife verboten - aus Rücksicht auf die anderen Gäste.
Ganz wollte man bislang das Rauchen nicht verbieten, aus Furcht, dass Gäste zur Konkurrenz abwandern. Mit dem Gesetz werde man vermutlich einen Raum zum Raucherzimmer erklären und damit die Möglichkeiten ausschöpfen.
Ähnlich hält es auch Ralf Wagner, Chef der gleichnamigen Apfelweininstitution in Sachsenhausen. Rund 90 seiner 350 Plätze will er den Rauchern in einem separaten Raum anbieten.
«Wir bekommen das leicht hin, für die kleinen Kneipen auf dem Land ist es schwierig.» Ein komplettes Rauchverbot plant man hingegen im trendigen Japan- Nudel-Restaurant «Mosch-Mosch»: «Von unseren Gästen rauchen ohnehin nur wenige», heißt es dort.
Im Bistro «Türmchen» im Stadtzentrum von Gießen freuen sich vor allem ältere Gäste über ein Rauchverbot. «Die fühlen sich am meisten vom Rauch gestört und sagen immer, es wäre schöner, wenn es nicht so stickig wäre, dann kämen wir häufiger», sagt Kellnerin Daniela Paul.
«Auch die Bedienungen, die ja schließlich mehrere Stunden im verrauchten Raum sind, würden sich über ein Rauchverbot freuen», sagt die 27-Jährige. Befürchtungen, dass die Gäste wegbleiben, gibt es auch hier. «Es sollte zumindest in jedem Lokal eine Raucherecke geben, damit sich Raucher als Kunden nicht benachteiligt fühlen.»
In Nordhessen stößt die geplante Regelung eher auf Ablehnung. «Ich glaube nicht, dass Gesetze nötig sind. Eigentlich regelt sich das Problem von selbst», sagt Volker Deigendesch vom Kasseler Schlosshotel Bad Wilhelmshöhe. Die Raucher würden ins Foyer gehen, das Frühstück sei ohnehin rauchfrei.
«Mir ist noch nicht eine einzige Beschwerde untergekommen, dass sich Raucher und Nichtraucher nicht einigen konnten», sagt Deigendesch. Möglicherweise liege das an der gehobenen Klientel seines Hauses, «aber auch eine ordentlich funktionierende Klimaanlage spielt da eine große Rolle.»
Erika Kater vom «Imbiss zum Wildunger Kreuz» in Fritzlar ist gegen jede Regelung. «Wir haben schon einen Nichtraucherraum. Aber die meisten unserer Gäste sind einfache Arbeiter, die bei uns frühstücken und einen Kaffee trinken wollen. Für die gehört die Zigarette dazu.» Ein Verbot wäre «kein Gefallen für die Gäste und erst recht nicht für die Wirte».
Deigendesch denkt hingegen bereits weiter. «Ich erwäge seit langem, einen eigenen Rauchsalon in unserem Haus einzurichten, wie es sie vor 100 Jahren gab. Ich glaube, für solch ein entspanntes Ambiente entwickelt sich immer mehr Bedarf.»