Haarkünstler aus Eritrea zaubert exotische Frisuren
Von Max Blosche,
12.10.2006
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Haarkünstler aus Eritrea zaubert exotische Frisuren
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Wiesbaden (dpa) Die Freunde von Tonia Hufen staunten nicht schlecht, als die 26-Jährige vor etwa einem halben Jahr plötzlich viel längere Haare hatte und schulterlange rote Locken trug. Das Geheimnis der wundersamen Verwandlung der Mainzer Politikstudentin: Sie war bei «HairX».
So heißt das Frisurenatelier, das der aus Eritrea stammende Tekle Ghebreghiorghis als «Friseur, der alles anders macht» in der Altstadt von Wiesbaden betreibt. Bei ihm werden keine Haare geschnitten, sondern verlängert und verändert.
Für seine außergewöhnlichen Frisuren vereint er Traditionen seines ostafrikanischen Heimatlandes mit Trends aus der westlichen Mode- und Musikszene.
«Vom Hippie bis zur Hausfrau, vom Schüler bis zur Fabrikbesitzerin, von 5 bis 70 Jahre alt» beschreibt Ghebreghiorghis das Spektrum seiner Kunden.
Sie kommen zu ihm mit unterschiedlichsten Frisurenträumen: Haarverlängerungen, Flechtfrisuren, Rastalocken und Dreadlocks (Strähnen verfilzter Haare) bietet HairX. «Zig Zag Braids», «Cornrows», «Nubian Knots» oder «Magic Locks» sind einige der vielen geheimnisvollen Bezeichnungen für die Frisurvarianten.
Besonderheiten erklärt der Friseur mit Geduld und Leidenschaft bei Beratungsgesprächen. «Ich will überzeugen und nicht überreden», betont er und zeigt Modellköpfe mit verschiedenen Frisuren.
Auch die Wahl der Haare ist eine Wissenschaft für sich: indisches, chinesisches und europäisches Echthaar füllt die Schubladen im Salon. Ghebreghiorghis weiß genau, für welchen Typ und Frisur welches Haar sich am besten eignet.
Für Haarverlängerungen hat HairX eine eigene Methode entwickelt. Anders als sonst in Europa üblich, kommt sein natürliches Verfahren «ohne Chemie, ohne Schweißen und ohne Kleben» aus. In mühevoller und fingerfertiger Arbeit knüpft, webt oder flechtet der Friseur aus Eritrea die neuen Haare in die bestehenden Frisuren.
Dabei kommt es ihm darauf an, besonders schonend und unauffällig zu arbeiten und dabei ein strapazierfähiges und belastbares Ergebnis zu erhalten.
Der gelernte Hotelkaufmann Ghebreghiorghis, der Anfang der 1980er Jahre nach Deutschland kam, machte vor gut fünf Jahren sein Hobby zum Beruf. «Am Anfang habe ich nur bei Freundinnen die Haare geflochten oder auf Parties verrückte Frisuren gemacht.»
Dann wagte er, bestärkt durch immer größere Nachfrage, den Schritt in die Selbstständigkeit: «Durch Musikstars auf MTV und Viva wie Lenny Kravitz oder Shakira oder durch Fußballer wie Beckham kam das in den letzten Jahren immer mehr in Mode.» Als «ältester Friseurlehrling Deutschlands» absolvierte der heute 46-jährige seine Umschulung und besuchte Seminare in New York, Mailand und Frankfurt.
In Eritrea, wo gerade Flechtfrisuren eine große Tradition und teilweise spezielle Bedeutungen etwa als Hochzeits- oder Trauerfrisuren haben, wäre Ghebreghiorghis ein echter Exot. «Da machen eigentlich nur Frauen Flechtfrisuren. Dass ich das als Mann mache, ist etwa so, wie wenn in Europa ein Mann einen Pullover strickt», lacht er.
Die Begeisterung seiner Kunden, die sich etwa in zahlreichen Gästebucheinträgen seiner Homepage zeigt, wiegt etwaige Lästereien locker auf. «Ich danke dir für die wie immer schönen Stunden bei dir, habe lange nicht mehr so gelacht», hatte «Karima» offenbar viel Spaß bei der mehrstündigen Sitzung - und anschließend die gewünschte Frisur.
«Nun danke ich dir für meine tolle, hammerharte neue Frisur. Ich bin hin und weg und nicht nur ich. Auf dem Weg zur S-Bahn haben mir junge Kerle nachgepfiffen, in der Bahn wurde ich drei Mal angesprochen und eingeladen - und das mit fast 47», berichtet eine Kundin, für die Ghebreghiorghis ein «wahrer Zauberer» ist.
Auch Tonia Hufen, die für ihre neue Frisur fast zwei Tage bei dem «Schoko- Hessen», wie er sich selbst bezeichnet, verbrachte, war besonders von der persönlichen Atmosphäre angetan. «Pizza, Tee und spannende Videos», berichtet sie. «Ein Tag in seinem Studio ist ein Riesenvergnügen».