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Die Sterne - Räuber und Gedärm
Viel mehr als nur Gewäsch
Von Martin Schlögl, 29.03.2006
» Zur Listenansicht Frankfurt (fnp) Nach mehr als vierzehn Jahren im Musikgeschäft und mittlerweile acht veröffentlichten Platten haben „Die Sterne“ aus Hamburg endlich das geschafft, was sie eigentlich schon vor Jahren verdientermaßen hätten bekommen können/sollen: das Titelblatt der „Spex“, dem (einstigen) deutschen Zentralorgan für Diskurspop und Musik mit Niveau, zu zieren.

Dabei hätte es im Laufe der Karriere der vier, die mit ihren cleveren Texten und ihrem Pop-Rock zu Beginn der neunziger Jahre zur Speerspitze der so genannten „Hamburger Schule“ zählten, mehr als genug Gründe dafür gegeben. Bisher sieben, um genau zu sein.

„Räuber und Gedärm“, so der wortspielerische Titel des neuen Albums der Hamburger, ist jedoch ein guter Anlass, dieser Band endlich einmal diese Würdigung zukommen zu lassen, denn die Platte ist ihre beste seit Jahren – wenn nicht überhaupt.

Frank Spilker, Sänger und Gitarrist, singt nach wie vor plakative Wortfetzen, die jedoch mehr noch als das Gewäsch anderer Diskursrocker zum Nachdenken anregen. Neu hingegen ist der Klang des Albums. Poppige Melodien im harten Sound wollten die „Sterne“ machen. Es ist ihnen perfekt gelungen.

Speziell Songs wie „Billig“, „Es gibt nichts Spannenderes“ oder auch das Titelstück „Räuber und Gedärm“ sind von einer für diese Band fast ungewohnten Heftigkeit, die man so bisher allenfalls bei „Sterne“-Konzerten erleben konnte.

Natürlich gibt es auch andere Einflüsse und Verweise. Gleich der Auftakt „Es hat alles sein Gutes“ wartet mit einem funkigen Orgelintro auf. „Wir sind reines Dynamit“ mit seinem treibenden Bass hat ebenfalls mehr Funk als Rock. Auch das letzte Lied „Als ich der Versuchung widerstand“ ist eindeutig von einem pulsierenden Bass getragen.

Aber es gibt natürlich auch die ganz profanen „Sterne“-typischen Gitarren-Schrammel Stücke. „Unsere Ideen sind genital“ ist so einer. Auch „Im Wesentlichen nichts Neues“ und „Abends ausgehen“ gehören zu dieser Sorte, wobei, wie man merkt, auch die Songtitel mit Wortspielereien gespickt sind.

„Räuber und Gedärm“ ist mit Sicherheit das bisher vielfältigste Album der Band – und im Gegensatz zu früheren Werken, wo ein paar grandiose Stücke (ein richtiger Überflieger ist freilich nicht vertreten) durch einige Nummern, die lediglich als Füllmaterial erschienen, ergänzt wurden, bleibt die Qualität auf dieser Platte vom ersten bis zum letzen Stück hoch. Vielleicht hat die Pause zwischen dem aktuellen und dem letzten Album – immerhin fast drei Jahre – die Band mehr als sonst motiviert. Vielleicht haben sie aber auch gemerkt, dass trotz der Soloaktivitäten der einzelnen Bandmitglieder – Solo-Alben, Labelgründungen, Lesereisen – die besten Ergebnisse immer noch gemeinsam erzielt werden.

Schade nur, dass die „Spex“ erst jetzt den Sternen die Titelgeschichte gewidmet hat, denn wer liest heute noch die „Spex“? Als Referenzmedium taugt das Magazin sowieso schon seit Jahren nicht mehr. Aber den Fans der „Sterne“ wird es egal sein.

Sie bekommen eine neue Platte. Und wenn die Hamburger im Mai auf Tournee gehen, werden die Hallen und Clubs einmal mehr voll sein. Denn live gehören die „Sterne“ in Deutschland nach wie vor zu den besten Bands überhaupt.

Nach Angaben der Firma V2 wird diese CD ohne Kopierschutz verkauft.

Quelle und Rechte:

» Frankfurter Neue Presse

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