Erfinder will sauberes Wasser für Alle
Von der Vision zur Mission
Von Stefanie Baumer,
22.03.2006
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Erfinder Wolfgang Vitt (55) erklärt am Montag in der Zentrale der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (gtz) in Eschborn an einem Modell seine Anlage, die mit UV-Strahlen verschmutztes Trinkwasser von Bakterien und anderen Mikororganismen reinigen kann.
Eschborn (dpa) Wolfgang Vitt hat eine Vision. «Jeder Mensch auf der Welt soll irgendwann sauberes Wasser haben», sagt der Elektrotechniker. Die Idee des 55-Jährigen ist im Laufe der vergangenen Jahre zu einer Mission geworden.
In seiner Freizeit hat der Tüftler eine Anlage entwickelt, die mit einfacher Technik verschmutztes Wasser in sekundenschnelle in keimfreies Trinkwasser verwandelt. Inzwischen hat er eine eigene Firma, mit Vitts kleinen blauen Zylindern werden bereits mehr als 400 000 Menschen in Entwicklungsländern mit sauberem Wasser versorgt.
Mehr als 1,2 Milliarden Menschen haben nach Einschätzung der Vereinten Nationen, die den 22. März zum Weltwassertag erklärt haben, noch immer kein sauberes Trinkwasser. «Jeden Tag sterben mehr als 6000 Menschen an den Folgen von verunreinigtem Wasser», sagt Vitt. Dagegen will er mit seiner Erfindung kämpfen. «In Indien liegen beispielsweise die Investitionskosten für Entkeimungsanlagen bei nur zehn Cent pro Kopf.»
Mit der Entwicklung seines Systems hat Vitt, der bei der Gesellschaft für technischen Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn bei Frankfurt für die Haus- und Energietechnik zuständig ist, schon vor mehr als 20 Jahren begonnen. «Bei der GTZ sind mir die Wasserprobleme in den Entwicklungsländern immer wieder zu Ohren gekommen.» Als er dann in der Zeitung über die Entkeimung von Wasser durch ultraviolettes Licht las, war seine Idee geboren.
In den vergangenen Jahren hat er viel Zeit und Geld in die Entwicklung investiert, Pläne gezeichnet und Prototypen gebaut. Die Reinigung von Trinkwasser mit UV-Licht war damals nicht neu. «Mit meinem System wollte ich diese Technik vereinfachen und verbessern», erklärt der 55-Jährige. Mittlerweile hat sich Vitt seine Erfindung mit neun Patenten schützen lassen und das Unternehmen UVitt GmbH gegründet, das das System herstellt und weltweit vermarktet.
Das verschmutzte Wasser wird bei der Methode durch ein Rohr aus Quarzglas an UV-Strahlern vorbeigeleitet und durch die Bestrahlung gesäubert. Das Gehäuse der Anlage, das bei herkömmlichen Geräten aus Edelstahl ist, hat Vitt aus Aluminium gebaut. Das Licht werde bei Aluminium stärker reflektiert als bei Edelstahl, erklärt er. Im Wasser würden dadurch bereits bei deutlich geringerer Leistung der UV-Strahler Keime wie Coli-Bakterien oder Legionellen abgetötet. Durch die Zugabe von Ozon kann das Wasser auch von Medikamentenrückständen befreit werden.
«Je nach Größe der Anlage können so pro Stunde bis zu 50 000 Liter Wasser gereinigt werden», sagt Vitt. In Indien wurden mittlerweile rund 400 solcher Wasserentkeimungsanlagen vor allem bei Schulen und Krankenhäusern eingebaut. Aber auch in Europa stößt das System zunehmend auf Interesse. So wird beispielsweise das Kühlwasser in einigen Industriebetrieben oder Wasser für Teiche, Brunnen und Klimaanlagen mit der Methode entkeimt.