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Frankfurt startet Kampagne gegen Hasch
Von Christian Ebner, 09.03.2006
» Zur Listenansicht "Joint" klingt harmlos, doch Kritiker betrachten Haschisch als Einstiegsdroge.
Frankfurt (dpa) Die Stadt Frankfurt setzt wieder einmal einen neuen Trend in der Drogenpolitik. In der Bankenstadt, die in den 90er Jahren die ersten Druckräume für Heroin-Junkies in Deutschland einrichtete, wird jetzt der vermeintlich weichen Droge Haschisch der Kampf angesagt.

Ein Widerspruch muss das nach Auffassung der städtischen Drogenexperten nicht sein, denn beide Aktionen setzten bei den Bedürfnissen der Betroffenen an.

Den Elendsgestalten im Bahnhofsviertel werden immer noch in einem dichten Netz medizinische und soziale Betreuung angeboten, die jugendlichen Kiffer brauchen eher unvoreingenommene, szenegerecht aufbereitete Informationen.

Unter dem Titel «Be U» (Sei du selbst) wendet sich eine vor allem aufs Internet gestützte Präventionskampagne mit unterschiedlich aufbereiteten Informationen an jugendliche Kiffer ebenso wie an deren Eltern, Lehrer und andere Multiplikatoren.

Während die Pädagogen lernen können, wie man bei Schülern erste Anzeichen für den Dauerkonsum erkennt oder wie man einen Elternabend zum Thema organisiert, können die jungen Surfer sich selbst auf den Prüfstand stellen.

Per Link können sie an einem «Cannabis Check» teilnehmen, der ihnen eine individuelle Bewertung ihres Konsums, der möglicherweise schon über der «roten Linie» liegt, ausspuckt. Über das Feld «quit the shit» gibt es Tipps und Ansprechpartner, die beim Ausstieg helfen könnten. Hauptargument gegen die Droge ist der Verlust von Kreativität und Lebensfreude, ansonsten gibt es zahlreiche Informationen rund um den Stoff.

Dabei solle keineswegs die Moralkeule geschwungen werden, versichert die Leiterin des städtischen Drogenreferats, Regina Ernst. «Haschischkonsum soll weder bagatellisiert noch dramatisiert werden.» Nackte Verbote bewirkten bei den Jugendlichen jedenfalls gar nichts. Dem stimmt auch Raphael Gaßmann von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in Hamm zu: «Man kann das Kiffen nicht pauschal verteufeln, da viele der Jugendlichen keine negativen Erfahrungen gemacht haben.»

Dass Haschisch in den vergangenen Jahren in der öffentlichen Diskussion verharmlost worden sein könnte, will in Frankfurt keiner so deutlich sagen. Die Ergebnisse der Libertinage stehen aber zum Beispiel für die Präventionsexpertin Mechthild Reith vom Verein für Arbeits- und Erziehungshilfe (vae) fest: «Die Jugendpsychiatrien sind voll, viele Kiffer haben massive Schwierigkeiten.»

In Frankfurt weiß man seit vier Jahren genauer, woran man ist, denn so lange gibt es bereits repräsentative Umfragen unter den Schülern der Stadt zu ihren Drogengewohnheiten. «Früher hatten wir keine Zahlen dafür, da haben wir uns etwas zusammengereimt», sagt der städtische Gesundheitsdezernent Nikolaus Burggraf (CDU). Jetzt weiß er, dass 38 Prozent aller Frankfurter Schüler in den 10. bis 12. Klassen und an den Berufsschulen schon einmal «Gras» oder «Shit» geraucht haben; 12 Prozent sogar innerhalb der 30 Tage vor der Umfrage. Die Zahlen sind rückläufig, und so hofft der Kommunalpolitiker, mit der Kampagne einen positiven Trend zu verstärken.

Heikel ist für die Berater und Website-Designer der offene Umgang mit der immer noch verbotenen Droge, der sie etwas entgegensetzen wollen, ohne aus einer aussichtslosen Position absoluten Verzicht zu predigen. «Da steckt schon eine gewisse Brisanz drin», sagt der Sozialpädagogik-Professor Hans-Volker Happel von der FH Frankfurt. Es sei aber absolut notwendig, mit den Jugendlichen ins Gespräch über die Droge zu kommen. Vom DHS-Experten Gaßmann kommt Lob: «Die Website enthält Tipps zum sicheren Umgang mit der Droge, etwa im Verkehr. Das ist der richtige Weg.»

Weitere Informationen im Internet:

» www.be-u-online.de

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