UNESCO erkennt 27 Stätten neu als Welterbe an
08.07.2008
Blick aus der Vogelperspektive auf die Hufeisensiedlung im Berliner Bezirk Neukölln. Die Berliner Wohnsiedlungen der Moderne wurden als UNESCO-Welterbe aufgenommen.
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New York/Québec (dpa) Die UNESCO hat bei ihrer Welterbe-Tagung im kanadischen Québec insgesamt 27 Kultur- und Naturstätten neu als Welterbe anerkannt. Damit gibt es offiziellen Angaben zufolge jetzt 878 Stätten auf der Schutzliste, 33 davon in Deutschland. Zum Abschluss der Neuaufnahmen verlieh die UN-Kulturorganisation am Dienstag (Ortszeit) noch zwei Denkmälern der Bahai-Religion in Israel das begehrte Gütesiegel, im südpazifischen Inselstaat Vanuatu kam das Kulturprojekt Roi Mata auf die Liste.
Von den 27 neu aufgenommenen Stätten zählen 19 zum Kulturerbe, 8 zum Naturerbe, teilten die Veranstalter in Québec mit. Insgesamt hatten sich mehr als 40 Projekte um Anerkennung beworben. Gut ein Dutzend wurde aus unterschiedlichen Gründen nicht berücksichtigt, sagte ein Sprecher. Einige Länder hätten selbst ihre Anträge zurückgezogen, bei anderen würden weitere Informationen benötigt. Die Tagung geht an diesem Donnerstag zu Ende. Zum Abschluss stehen vor allem Formalia auf dem Programm.
Deutschland hatte mit den Berliner Wohnsiedlungen der Moderne bereits am Montag eine neue Welterbe-Stätte gewonnen. Die Bauten, zwischen zwischen 1913 und 1934 entstanden, hätten einen beträchtlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung von Architektur und Städtebau gehabt, befand das UN-Komitee. Die sechs Ensembles von Architekten wie Bruno Taut, Hans Scharoun, Walter Gropius und anderen repräsentierten einen neuen Typ des sozialen Wohnungsbaus. Mit ihrem auf Licht und Sonne achtenden Konzept hoben sich die Wohnungen stark von den zeitgenössischen Mietskasernen ab.
Den beiden italienischen Städten Mantua und Sabbioneta in der Po- Ebene bescheinigte die UNESCO, sie seien wegweisend für die Renaissance-Kultur gewesen. Den Zwergstaat San Marino in Italien nannten die Welterbe-Hüter ein «Zeugnis für die Kontinuität einer freien Republik seit dem Mittelalter». Die Geschichte des nur gut 60 Quadratkilometer großen Landes nahe der italienischen Adriaküste bei Rimini geht bis ins Jahr 301 zurück, der Staat ist bis heute politisch selbstständig.
Als ein transnationales Projekt zwischen Italien und der Schweiz zeichnete die UNESCO die Bahnlinie Albula/Bernina der Rhätischen Bahn aus. Die insgesamt 120 Kilometer lange Strecke vom schweizerischen Thusis über St. Moritz nach Tirano in Italien sei ein Beispiel, wie die Eisenbahn im frühen 20. Jahrhundert die Isolation von Siedlungen in den Zentralalpen überwunden habe, hieß es. Die Bahnlinie gilt mit ihren zahlreichen Tunneln, kunstvollen Brücken und Galerien als einzigartig. Ein Gütesiegel als Naturwelterbe erhielt die Schweizer Alpenregion zwischen den Kantonen St. Gallen, Glarus und Graubünden, bei Fachleuten «Tektonikarena Sardona» genannt.
In Frankreich bekamen die Festungen des berühmten Generals und Architekten Vauban (1633-1707) einen Welterbe-Titel. Zudem wurden die Lagunen der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe Neukaledonien vor der Nordostküste Australiens im Pazifischen Ozean unter Schutz gestellt. Weitere Welterbe-Titel gab es etwa für die kroatische Kulturlandschaft um das Städtchen Stari Grad, mehrere Holzkirchen im slowakischen Teil der Karpaten und Naturschönheiten in Kanada, China, Mexiko und Kenia.
Ein Hindu-Tempel in Kambodscha wurde erst nach kontroverser Diskussion unter Schutz gestellt. Der Preah Vihear Tempel liegt auf einer Klippe im Grenzgebiet zwischen Kambodscha und Thailand und war jahrzehntelang zwischen beiden Ländern umstritten.