Wildkatzen sollen mehr Platz bekommen
Von Sabine Maurer,
15.01.2012
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Wildkatzen fühlen sich in Hessen wieder wohler. Foto: dpa
Frankfurt/Main. In Hessen leben wieder mehrere hundert Wildkatzen. Weil die Tiere viel Platz brauchen, wollen Naturschützer Büsche und Bäume pflanzen - um Waldstücke zu verbinden und den Lebensraum zu vergrößern.
Alles für die Katz': Vor sieben Jahren hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Aktion gestartet, damit sich die seltenen Wildkatzen auch in Hessen wieder heimisch fühlen und vermehren. "Wir haben erst mal geprüft, wo es diese Tiere überhaupt noch gibt", sagt Sarah Friedrichsdorf vom BUND in Frankfurt. Das Resultat: In Hessen leben mehrere hundert Tiere, in ganz Deutschland sind es zwischen 5000 und 7000.
Nun sollen die Waldstücke bundesweit mit Hilfe von neu gepflanzten Büschen und Bäumen miteinander verbunden werden. Denn durch den Bau von Straßen und Häusern ist der Lebensraum der scheuen Waldbewohner immer kleiner geworden. Dabei brauchen die Katzen - vor allem die männlichen - viel Platz für ihre Streifzüge, sie setzen aber ungern ihre Pfoten aus dem schützenden Wald. Die Aktion ist laut BUND eines der größten Naturschutzprojekte Deutschlands.
Mit Hilfe von Baldrian haben die Naturschützer herausgefunden, wo die Wildkatzen leben. Die Vierbeiner lieben Baldrian und rieben sich an den vom BUND entsprechend besprühten Stöcken im Wald. Im Labor des Forschungsinstituts Senckenberg in Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis) wurde die DNA untersucht, damit nicht versehentlich eine Hauskatze auf Abwegen mitgezählt wurde. Wildkatzen wurden unter anderem im Taunus und in Nordhessen entdeckt.
In Thüringen ist der Lebensraum für Wildkatzen bereits vergrößert worden, dort wurden 20 000 Bäume und Büsche gepflanzt. Wann Hessen folgen wird, ist noch nicht bekannt. "Dieses Projekt ist eine Sache für Generationen", sagt Friedrichsdorf.
Die Spaziergänger bekommen von diesen Waldbewohnern meistens nichts mit. Denn die Wildkatzen, die vor 150 Jahren fast ausgerottet waren und nicht mehr geschossen werden dürfen, leben "heimlich", wie die Jäger sagen. Sie lassen sich bei Menschen also möglichst nicht blicken. "Diese Tiere sehen und hören sehr gut", sagt die Biologin Christine Henkel vom Opel-Zoo in Kronberg, wo fünf europäische Wildkatzen in Gefangenschaft leben.
Eine Wildkatze sieht ähnlich aus wie eine getigerte Hauskatze. Sie ist etwas kräftiger, das Fell ist verwaschen und am Schwanz geringelt. Diese Ähnlichkeit mit der häuslichen Verwandtschaft ist schon manch einem Jungtier zum Verhängnis geworden. Spaziergänger hielten es für eine Hauskatze, die sich verlaufen hatte, und nahmen es mit. Viel Spaß hatten sie mit dem Findling nicht: Eine Wildkatze ist getreu ihres Namens deutlich flegelhafter als eine Hauskatze.