"Blaue-Bock"-Wirtin Lia Wöhr vor 100 Jahren geboren
Von Ira Schaible,
26.07.2011
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Lia Wöhr als Wirtin und Heinz Schenk als Wirt und Oberkellner in der Sendung "Blauer Bock", 1979
Frankfurt. Als babbelnde Bembel-Wirtin an der Seite von Heinz Schenk hat Lia Wöhr im "Blauen Bock" gut zwei Jahrzehnte ein Millionen-TV-Publikum begeistert. In der hessischen Fernseh-Kultserie "Die Hesselbachs" spielte sie die Putzfrau Siebenhals. Zugleich war sie Produzentin beider Reihen.
Die enorm vielseitig talentierte Frankfurterin, die nicht nur als Schauspielerin und Produzentin, sondern auch als Ballettmeisterin, Dirigentin, Sängerin und Opernregisseurin arbeitete, wäre an diesem Dienstag (26. Juli) 100 Jahre alt geworden.
Im Alter von 83 Jahren ist Wöhr vor 17 Jahren in ihrer Geburtsstadt Frankfurt in einem Krankenhaus gestorben. Zur Trauerfeier in Oberursel, wo sie zuletzt lebte, kamen im November 1994 rund 500 Menschen.
Wöhr habe wesentlich dazu beigetragen, ein hessisches Bewusstseins in dem 1945 gegründeten Bundesland zu schaffen, schreibt die Stadt Frankfurt anlässlich ihres 100. Geburtstags. So habe sie zu ihrem 80. Geburtstag stolz gesagt: "Frankfurt ist meine Mutterstadt. Aber wo ich steh', da ist Hessen!"
Als Schülerin soll die Bäckerstochter aus dem Frankfurter Gallus-Viertel nach dem Besuch einer Aufführung von Richard Strauss' Oper "Salomé" beschlossen haben, Tänzerin zu werden. So war sie schon in jungen Jahren auf der Bühne zu sehen - zunächst als Balletttänzerin und als Chansonsängerin auf Kleinkunstbühnen in Berlin.
Ihr erstes Bühnenengagement hatte die ausgebildete Schauspielerin in Halberstadt am Harz, wo sie eine junge Naive spielte. Anschließend war sie in Magdeburg und Berlin engagiert und von 1935 an mit 24 Jahren in Frankfurt auf der Bühne zu sehen. Außer in klassischen Rollen trat sie auch in Tanz-Revuen auf - und saß ab und zu im Souffleurkasten.
Nach dem Krieg schlug sich Wöhr als Alleinunterhalterin durch. Außerdem entwickelte sie sich von der Opern-Souffleuse zur Opern-Regisseurin, die an namhaften ausländischen Bühnen in Madrid, Rom und London arbeitete. 1956 fing Wöhr beim Hessischen Rundfunk (hr) in ihrer Heimatstadt Frankfurt als Produzentin an.
Beim hr war sie sowohl für TV-Unterhaltungssendungen wie "Die Montagsmaler" verantwortlich als auch für anspruchsvolle Opern- und Ballettsendungen. Fast 30 Jahre lang - bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1976 - blieb Wöhr ihrem Haussender treu, zuletzt als Redakteurin in der Unterhaltungsabteilung. Anschließend war die Bäckerstochter unter anderem im Volkstheater Frankfurt auf der Bühne zu sehen.
Als TV-Schauspielerin spielte Wöhr unter anderem an der Seite von Günter Strack in dem Dreiteiler "Der Winter, der ein Sommer war" (1976) mit, in dem es um die deutsche Beteiligung am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg geht.
Im Hessenfernsehen machte sich Wöhr mit einer kleinen Isetta zu einer Hessen-Rallye auf und erkundete dabei mehrere Orte in einer Art Schnitzeljagd, wie der Sender berichtet. Bis zuletzt war Wöhr in kleineren Fernsehrollen zu sehen, etwa im "Tatort".
In ihren letzten Lebensjahren engagierte sich die Schauspielerin vor allem für behinderte und alte Menschen. Als Wöhr 1992 mit dem Hessischen Verdienstorden für die besonderen Verdienste um dieses Bundesland und seine Menschen geehrt wurde, sagte die populäre Künstlerin über sich selbst: "Ich bin eine Löwin und ich bin eine Hessin. Ich muss arbeiten und kämpfen und mich engagieren. Applaus, das ist wie Essen und Trinken für mich."
Eine Familie hatte Wöhr nicht. Dem hr zufolge hat sie immer wieder gesagt, die viele Arbeit lasse ihr keine Zeit für einen Ehemann und Kinder.
Das hr-Fernsehen wiederholt derzeit die 51 TV-Folgen der "Hesselbachs". Die zwischen 1960 und 1968 produzierten Folgen sind jeden Donnerstag ab 23.30 Uhr zu sehen und dauern zwischen 45 und 75 Minuten.