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"Geheime" Ausstellung in der Schirn
Von Sandra Trauner, 23.06.2011
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Rashid Johnson - Fotografie: © Roman März, Courtesy Galerie Guido W. Baudach, BerlinRashid Johnson: The New Negro Escapist Social and Athletic Club (Marcus), 2010 Fotografie: © Roman März, Courtesy Galerie Guido W. Baudach, Berlin
Frankfurt. Ganz geheim geht es in diesem Sommer zu in der Frankfurter Schirn. Von Donnerstag bis zum 25. September will die Kunsthalle die Frage beantworten, "inwieweit Geheimgesellschaften Mechanismen zeitgenössischer Kunst widerspiegeln, und wie deren Riten und Symbole umgekehrt von Künstlern thematisiert werden", wie Kuratorin Cristina Ricupero am Mittwoch erklärte.

Zu sehen sind 150 Gemälde, Fotografien, Skulpturen, Filme und Installationen. Dazu gehören Bilder aus dem Versteck des ehemaligen Diktators Saddam Hussein, die Mitgliederliste eines italienischen Geheimbundes und von Künstlerhand geschwärzte Geheimprotokolle. Die Ausstellung "Geheimgesellschaften. Wissen Wagen Wollen Schweigen" ist wie ein Hindernisparcour aufgebaut.

Vielen Arbeiten haben eine politische Botschaft: Da wird der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger künstlerisch vor Gericht gestellt, der 1973 den Friedensnobelpreis erhielt und parallel im Geheimen am Sturz des chilenischen Präsidenten Salvador Allendes mitarbeitete. Da hängt eine überdimensionale Liste der Mitglieder einer italienischen Loge, die unter der Mitgliedsnummer 625 den heutigen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi führt.

Über den künstlerischen Gehalt kann man indes streiten: Eine aus sieben Mal sieben Jeansstücken zusammengesetzte Patchworkdecke spielt "mit der Idee von Inklusion und Exklusion", wie man bei Projektleiter Matthias Ulrich erfährt.

Bei Geheimbünden, egal ob Mafia, Freimaurer oder studentische Burschenschaft, gehe es immer um Aufnahme und Ausschluss - ebenso wie in der Kunstwelt: "Stehe ich auf der Bühne oder gehöre ich zu den Zuschauern?" Daher liegt die Decke auch auf einer Art Bühne.

Leichter konsumierbar sind Arbeiten wie Jenny Holzers geschwärzte Geheimdokumente, die - größtenteils stark zensierten - Gesprächsprotokolle einer New Yorker Künstlerin mit niederländischen Geheimagenten oder die Miniporträts von 19 Terrorverdächtigen, die in den toten Winkeln der Ausstellung versteckt sind.

Im Geheimen geht es auch um die Frage, "was im Zeitalter von Wikileaks denn überhaupt noch geheim ist", wie Kurator Alexis Vaillant sagt und laut darüber nachdenkt, "ob heute nicht gerade das Öffentlichmachen in einer Informationsflut die beste Möglichkeit einer Tarnung ist."

"Noch Fragen?" fragte Schirn-Direktor Max Hollein nach der Vorbesichtigung mit Hintersinn und schickte gleich hinterher, dass es "vielleicht keine Antworten gibt". Schließlich sei das Thema Geheimnis nicht nur Inhalt, sondern auch Konzept der Ausstellung.

Genau das ist ihre Stärke und ihre Schwäche zugleich: Die Idee ist originell, aber beim unbedarften Durchlaufen versteht man sie kaum. Hinweistafeln, Katalog oder Audioguide geben Aufschluss - oder geheime Veranstaltungen, zu dem nur eingeladen wird, wer sich auf www.geheimgeheim.de einem virtuellen Geheimbund anschließt.

"Geheimgesellschaften. Wissen Wagen Wollen Schweigen"
23. Juni bis 25. September 2011

Öffnungszeiten:
Dienstag und Freitag bis Sonntag 10 bis 19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 10 bis 22 Uhr

Eintritt:
7 Euro

Katalog:
Geheimgesellschaften. Wissen Wagen Wollen Schweigen.
Snoeck, Köln. 256 Seiten,
29,80 Euro (Ausstellung), 34 Euro (Handel)

Schirn Kunsthalle Frankfurt
Römerberg, 60311 Frankfurt

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