Propellerflieger begrüßt neues Lufthansa-Flaggschiff
Von Rochus Görgen, dpa und Steffen Weyer,
19.05.2010
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Frankfurt. Die Extreme hätten schärfer kaum sein können: Bei der Ankunft des neuen Super-Airbus A380 der Lufthansa wird der Gigant am Mittwoch bei Frankfurt von einer kleinen Propellermaschine begrüßt. Gemeinsam fliegen sie eine Platzrunde über dem Frankfurter Flughafen und setzen kurz nacheinander sanft auf.
Die historische Tante Ju der Lufthansa-Stiftung, Baujahr 1936, wirkt winzig im Vergleich zur A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt.
Möglich wurde der gemeinsame Flug der beiden unterschiedlichen Maschinen nur knapp: Die gerade einmal für 16 Passagiere ausgelegte Junkers Ju-52 flog mit ihrer maximalen Geschwindigkeit, während der Airbus A380 mit den Namen «Frankfurt am Main» so langsam wie nur möglich unterwegs war.
«Da passen die beiden heute ganz genau zusammen», sagt Lufthansa-Kapitän Raimund Müller, einer der ersten A380-Piloten der größten deutschen Fluggesellschaft.
Den Lufthansa-Managern ist der Stolz auf ihr neues Flaggschiff anzusehen. «Das ist eine Meisterleistung von Airbus», schwärmt Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber.
Selbst die sonst so kühlen Ingenieure seien «total begeistert», sagt der gebürtige Österreicher, der einst selbst im Technikbereich der Lufthansa angefangen hatte. Und Lufthansa-Chefpilot Jürgen Raps meint: «Das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen.»
Tatsächlich ist die Maschine imposant, auch wenn sie durch ihre zwei Passagier-Stockwerke auf manche Betrachter pummelig wirkt. Die Flügel spannen sich über eine Länge von 80 Metern, die Heckflosse ragt mehr als 24 Meter in die Höhe. Platz bietet die Maschine je nach Bestuhlung mehr als 800 Menschen.
In der Lufthansa-Ausstattung ist die Zahl der Fluggäste aber auf 526 begrenzt, damit jeder Passagier etwas mehr Beinfreiheit hat. In der First Class hat jeder Fluggast einen Sitz, der sich rasch zu einem ebenen Bett ausfahren lässt - allerdings sind die Ticketpreise für diese Klasse auch rund zehn Mal so hoch wie in der Economy Class im unteren Stockwerk des Giganten. Daher gibt es auch nur acht der Luxus-Sitze an Bord.
Merkwürdigkeiten findet man im nagelneuen Airbus der Lufthansa auch: Denn an den Toiletten sind überall Aschenbecher montiert - obwohl das Rauchen an Bord bei der Lufthansa schon seit Jahren strengstens verboten ist. «Das ist Vorschrift», erläutert eine Stewardess. Denn wenn ein Passagier gegen das Rauchverbot verstoße, solle ein Aschenbecher in Reichweite sein. Das sei in allen neuen Flugzeugen so üblich.
Für den Flug vom Hersteller-Werk in Hamburg-Finkenwerder nach Frankfurt machte Lufthansa-Chefpilot Jürgen Raps einige Umwege: Bei strahlend blauem Himmel zog die Maschine erst einen Kreis über den Hamburger Flughafen, flog dann über die Niederlande und Belgien und landete nach zwei Stunden und fünf Minuten bei Nebel und Sprühregen in Frankfurt. Die Feuerwehr ließ sich vom Regen nicht abhalten und begrüßte die Maschine mit riesigen Fontänen.
Lufthansa-Chef Mayrhuber freut sich schon auf den nächsten A380-Flug am 6. Juni, wenn die «Frankfurt am Main» die Fußball-Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft nach Südafrika bringt. «Wir werden ganz langsam fliegen, damit die Mannschaft sich ordentlich vorbereiten kann», scherzt Mayrhuber. Ihre Arbeit im Liniendienst wird die Maschine einige Tage später beginnen - auf der Strecke Frankfurt-Tokio.