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Warten und Fluchen auf einem Flughafen ohne Flieger
Von Marco Krefting, 16.04.2010
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Warten am Flughafen
Frankfurt Vulkanasche in der Luft hat die Flieger am größten deutschen Airport in Frankfurt zu Boden gezwungen. Kein Flugzeug bewegt sich mehr und Tausende Reisende stehen ratlos in den Abfertigungsgebäuden. Keine weiß, wann wieder geflogen werden kann.

In schier endlosen Menschenschlangen reihen sich die Passagiere in den Frankfurter Flughafenterminals am Freitag aneinander. Sie alle warten - auf einen Weiterflug, eine Information, einen Imbiss, einen Sitzplatz oder wenn es ganz gut läuft auf eine Bahnfahrkarte.

Die meisten zeigen sich geduldig, viele sind aber auch genervt: «Shit happens», flucht Jeff Thompson (28), der nach Amsterdam will und nach eigenen Angaben schon seit 40 Minuten für ein Ticket ansteht.

Airlines schicken Passagiere zur Bahn oder buchen um

Quer über den Gang von Terminal 1A nach 1B reihen sich Menschen, Koffer und Rollwagen aneinander. Alle wollen zum Check-In-Schalter ihrer Airline. «Und dann sagen die doch nur, dass sie nicht wissen, wie es weitergeht», schimpft eine Frau.

Ab und zu gibt es dann doch eine Ansage, aber hilfreich ist sie nur für einige: Mit einem Megafon geht ein Lufthansa-Mitarbeiter an der Schlange vorbei und schickt alle innerhalb von Deutschland Reisenden zur Bahn. «Sie bekommen ihr Geld zurück.»

Doch ein Bahnticket zu ergattern ist ein Kunststück. Über 200 Meter lang windet sich die Schlange der Wartenden um die Rolltreppen vor dem Schalter der Deutschen Bahn. Über gute Geschäfte freuen sich auch die Mietwagenunternehmen. Sie ziehen so viele Wagen wie möglich am Flughaben zusammen.

Viele Unternehmen haben bereits einen Plan-B: US Airways etwa bucht die Passagiere um, in der Hoffnung, dass von Sonntag an wieder Flieger in Frankfurt starten. «Ich schreibe den Leuten den neuen Flug auf und gebe ihnen die Hotline-Rufnummer», sagt Marion Krüger-Vogel (46) am Schalter.

«Sonst trinken wir Kaffee und unterhalten uns.» Unerwartet freie Zeit: So geht es auch den Mitarbeitern an der Bordkarten- und Personen-Kontrolle, die heute ausgiebig mit ihren Kollegen plaudern.

Herrenloses Gepäck bringt zusätzliche Aufregung

Dann entsteht plötzlich Hektik: Wegen eines herumliegenden Gepäckstücks sperren Polizisten im Terminal 1 eine Fläche um den Info-Schalter - eine ebenfalls stark bedrängte Anlaufstelle - ab. Die Sicherheitsbeamten treiben die Leute hinter das Flatterband. Wenig später gibt es die Entwarnung: Keine Gefahr aus dem Koffer.

Sabine Hinkeldeyn (49) beruhigt das nicht. Ihr Mann Jörg wollte gemeinsam mit einem Freund am kommenden Montag beim Boston-Marathon starten. «Jetzt ist ein halbes Jahr Vorbereitung in den Sand gesetzt», sagt sie verärgert.

Schlafen auf Feldbetten im Flughafen

Seit der Wind die isländische Vulkanasche zum europäischen Festland getrieben hat, liegt der Luftverkehr still. Allein in Deutschland sind am Freitag 13 internationale Flughäfen sowie weitere Regionalflughäfen gesperrt. Für die gestrandeten Reisenden standen in Frankfurt Feldbetten bereit. «Darauf zu schlafen war gar nicht so unbequem», erzählt Dikla Segal (32), die mit Mann und Sohn seit Donnerstagabend auf einen Flug nach Irland wartet. «Für die nächste Nacht suchen wir uns aber ein Hotel.»

Die 37 Mitglieder einer amerikanischen Reisegruppe haben es zwar noch bis nach Frankfurt geschafft, kommen aber von dort nicht mehr weg. Nach Angaben ihrer schweizerischen Gruppenleiterin waren sie mit dem Bus aus Zürich gekommen und wollten nach ihrem zwölftägigen Europaaufenthalt über Amsterdam nach Detroit in die USA zurückreisen.

Wenig Betrieb am Sandwich-Stand

Warten auch in den Geschäften: An den Imbissläden und Shops stehen erstaunlicher Weise kaum Menschen an. «Es ist viel weniger los als sonst», sagt Viktoria Vörös (24) sogar. Sie möchte Sandwiches verkaufen. «Der Hunger wird bei den ganzen Leuten schon noch kommen.»

Wie lange die Sperrung andauern wird, wussten am Vormittag weder die Flugsicherung noch der Frankfurter Flughafenbetreiber zu sagen. Das hänge von der Wetterlage ab.

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