Eine pfiffige «Maus» zum 50ten
RMN-Kritik zu Die Maus (Big Bad Mouse)
Von Achim Weiß
Regisseur Dieter Rummel hat sich für das 50-jährige Jubiläum seines Theaters noch einmal eine seiner schönsten Rollen aus den 60er Jahren heraus gesucht, die des langweiligen Büroangestellten Mr Bloome, der sich durch seinen (zu Unrecht, wie sich herausstellt) neuen Ruf als Lustmolch plötzlich wachsender Beliebtheit, besonders bei den weiblichen Angestellten, erfreut.
Der Hausherr lässt es sich nicht nehmen, die Hauptrolle auch nach etwa 40 Jahren noch einmal selbst zu übernehmen. Erstaunlicherweise funktioniert das durch seinen immer noch immensen Charme auf der Bühne sehr gut. Auch tut er als Regisseur gut daran, die Komödie nicht unnötig zu modernisieren. Der etwas nostalgische Flair der Komödie trägt so zusätzlich zu einem positiven Gesamteindruck bei.
Die heimliche Hauptrolle des Abends gehört allerdings Erika Best als ebenso graue Büromaus Miss Spencer, die durch die Verwirrungen um ihren Kollegen auf blüht, eine schauspielerische Extra-Leistung. Neben ihr und Rummel überzeugt vor allem Oliver Lemki als besonders prüder und spießiger Kollege Bloomes. Auch der Rest des Ensembles, Patrick Koch, Inka Schmietendorf und – trotz einer Doppelrolle in diesem Stück ein wenig unterfordert – Stephanie Meisenzahl, darf im Laufe des Abends in allerlei komischen Situationen glänzen und zeigt sich in der gewohnten Spiellaune.
Ein lockerer Büro-Twist von Meisenzahl und Koch zu «Twist and Shout» zu Beginn, und schon sind wir mitten in den Swinging Sixties inklusive Beatles-Songs und Miniröcken. Perfekt passt dazu das ganz in Braun gehaltene Büro-Bühnenbild mit Fensterblick auf den Big Ben von Anne Uhlig, das genau im richtigen Maß altmodisch wirkt.
Nach einem eher etwas albernen Beginn gewinnt die Inszenierung zunehmend an Fahrt und Komik, insbesondere ab dem Moment, wenn Mr Bloome von seinen Kollegen ganz anders wahrgenommen wird als vorher. Hier rechnet das Stück mit der Spießermoral (nicht nur) der damaligen Zeit ab und sorgt für besonders witzige Dialoge und Situationen, in denen natürlich auch eine «echte» Maus eine Rolle spielt. Der Premierenapplaus fällt entsprechend tosend aus. Das TAP feiert sein Jubiläum auf würdige Art und Weise!