Ex-Alkoholabhängige warnt Schüler vor der Flasche
Von Sonja Jordans,
01.02.2010
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Marlies Wank
Bensheim. Marlies Wank kämpft in Schulen und Selbsthilfegruppen gegen die Verlockungen von Alkohol und Nikotin - und kann dabei viel eigene Erfahrungen ins Feld führen. Die 64- Jährige aus dem südhessischen Bensheim war über 20 Jahre Alkoholikerin und starke Raucherin.
Seit 15 Jahren ist sie «trocken», auch von Zigaretten ist sie mit großen Anstrengungen losgekommen.
«Niko und Alko waren über Jahre hinweg meine besten Freunde», sagt Wank. Sie verzieht dabei den Mund zu einem ironischen Lächeln. «Ihretwegen bin ich durch die Hölle gegangen, habe sogar an Selbstmord gedacht.»
Heute ist Wank regelmäßig an hessischen Schulen zu Gast, um Jugendliche auf die Gefahren hinzuweisen, die von legalen Rauschmitteln ausgehen können. Außerdem begleitet sie alkoholkranke Frauen auf ihrem Weg aus der Abhängigkeit, leitet in Bensheim zwei Selbsthilfegruppen und hat zwei Bücher geschrieben.
Niko und Alko, die Geißeln ihrer Vergangenheit, hat sie für diese Aufklärungskampagne auch zeichnen lassen. Als mannshohe Pappfiguren begleiten die beiden Wank in die Schulen.
«Alles, was Jugendliche mit Bildern verknüpfen, bleibt ihnen besser in Erinnerung», ist sich Wank sicher. In Zeiten, in denen Jugendliche Komasaufen als eine Art Sport sähen, nützten Moralpredigten wenig. «Ich erzähle als Warnung lieber meine Geschichte.»
Leidensweg mit Aufs und Abs
Die beginnt vor mehr als 40 Jahren. «Damals war ich frisch verheiratet», sagt Wank. Doch die Ehe ist unglücklich, Wank benutzt Alkohol als Mittel gegen Stress und schlechte Laune. Nach zweieinhalb Jahren folgt die Scheidung, und die junge Mutter gibt sich zum ersten Mal «bewusst die Kante», wie sie es nennt. «Doch dann war erstmal Ruhe.»
Im Alter von 29 Jahren allerdings muss sich Wank - inzwischen zum zweiten Mal verheiratet und ohne Alkohol glücklich - mehreren Operationen unterziehen und bekommt Valium gegen die Schmerzen. «Plötzlich war ich tablettenabhängig und begann, wieder zu trinken», erzählt sie.
Von den Tabletten löst sie sich nach einem Jahr Sucht, doch der Alkohol bleibt - bis zur zweiten Schwangerschaft mit 34. «Da war wieder Ruhe. Ich dachte schon, ich hätte es geschafft.» Vier Jahre später jedoch begann sie, «richtig zu kippen».
Irgendwann habe sie die Ausweglosigkeit ihrer Situation erkannt. «Das war, als meine Tochter, inzwischen selbst Mutter, mich nicht mehr zu meinem Enkel ließ, weil ich dauernd betrunken war.» Wank holt sich Hilfe. «Ich kippte meinen letzten Wein und suchte eine Selbsthilfegruppe auf.»
Sie habe es schließlich aus eigener Kraft und trotz heftiger Entzugserscheinungen geschafft, mit dem Trinken aufzuhören. «Damit habe ich mein Leben und das meiner Familie gerettet», ist sich Wank sicher.
Warnung schon für Grundschüler
Ihre Geschichte erzählt die ehemalige Trinkerin bereits Grundschülern. «Auch sie kennen Süchte, etwa aus den Medien oder weil die Eltern Raucher sind.» Außerdem interessierten sich Kinder bereits früh für Alkohol und Zigaretten. «Ich selbst habe mit 14 das erste Mal getrunken, aus Neugierde.»
In den Gesprächen lege sie allerdings Wert darauf, Alkohol nicht zu verteufeln: «Denn alles, was von der Aura des Verbotenen umgeben ist, wirkt umso reizvoller.» Aber eines sagt sie immer wieder: «Alko und Niko sind falsche Freunde. Vor dauerhaftem Umgang mit ihnen kann ich nur warnen.»