Frankfurter «Parade der Kulturen» zwischen Karneval und Politik
Von Frank van Bebber,
22.06.2008
«Parade der Kulturen»
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Frankfurt (dpa) Samba unter Banktürmen, ein Fahnenmeer in den Straßen, der Duft exotischer Köstlichkeiten auf dem Römerberg: Bei der «Parade der Kulturen» haben am Samstag etwa 2000 Menschen für Toleranz und Vielfalt in Frankfurt demonstriert.
Dies sei ein wichtiges Zeichen in einer Stadt mit Bürgern aus rund 180 Nationen, sagte der Vorsitzende des Frankfurter Jugendrings, Jan Lamprecht. Seit sechs Jahren veranstaltet der Jugendring das Schaulaufen internationaler Vereine. Diesmal rollten an der Spitze deutsch- russische Jugendliche eine übergroße Weltkugel.
Zehntausende Zuschauer am Straßenrand bestaunten eine Inka- Pyramide aus Pappe ebenso wie Vietnamesen und Peruaner in bunten Trachten. Volkstänze aus Italien wechselten sich mit Tangoklängen und deutscher Blasmusik ab. An den geschmückten Umzugswagen hingen Plakate wie «Bolivien grüßt Frankfurt».
Maria Betania Arcanjo vom Brasilianischen Kulturverein sagte mitten in einer vielfach fotografierten Gruppe fröhlicher Tänzer: «Es ist wunderbar: Wir können auf der Straße unsere Geschichte erzählen.»
Die mehr als dreistündige Parade unter dem Motto «Bunt, schön - Frankfurt» wurde eine farbenfrohe Mischung aus Fußball- Europameisterschaft und Karneval - nur mit politischer Botschaft. 2003 war der Umzug als Protest gegen die Aufzüge Rechtsextremer ins Leben gerufen worden.
«Wir wollten nicht nur gegen, sondern auch für etwas demonstrieren», sagte Lamprecht. «Heute ist es ein Selbstläufer.» Die Vereine bereiteten sich über Monate vor. So verbinde die Parade die Menschen auch im Alltag.
Der Alltag holte die multikulturelle Parade bisweilen aber auch ein: Größte Gruppe im Umzug waren an diesem Samstag Chinesen, die mit offiziellen Plakaten und Maskottchen für die Olympischen Spiele in Peking warben.
Nur wenige Meter weiter hatten sich Anhänger der in China verbotenen Kultbewegung Falun Gong eingereiht. Flüchtlinge aus Vietnam empörten sich über die Werbung für die Olympischen Spiele: «Wir sind für den Dalai Lama», erklärte einer von ihnen. Organisator Lamprecht sagte: «Man muss es aushalten, dass auch diese Widersprüche in der Parade sind.»
Beispiele gelungener Integration demonstrierten andere: Doris Kuch vom Turn- und Sportverein des Frankfurter Stadtteils Bonames lief mit 20 lachenden Kindern mit. «Wir im Verein haben auch viele Nationalitäten», sagte sie. «Da finde ich das hier eine tolle Sache.»
Fast jeder vierte der 667.000 Frankfurter hat einen ausländischen Pass. Gelebte Integration verbarg sich da unerwartet auch im Kleid einer brasilianischen Folklore-Königin: Im üppigen Traditionskostüm tanzte keine Südamerikanern, sondern Ute Haldorn, eine waschechte Frankfurterin, die Brasilien aus der Volkshochschule kennt.