Geheimnisvoll schimmern die Plitvicer Seen
17.07.2001
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- Anreise: Über Würzburg, Nürnberg, Regensburg, Passau, Wels, Liezen, Spielfeld, Maribor, Zagreb. Entfernung Frankfurt-Plitvice 1000 km. Nützlich vor Ort ist die Shell-Generalkarte "Istrien - Dalmatinische Küste.
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Plitvice (fnp) "Kann man da wirklich wieder hinfahren?" Bedenklich legt mein Nachbar, einst Jugoslawien-Fan, die Stirn in Falten. "Die Plitvicer Seen? Da war doch gerade erst Krieg." "Hier ist der kroatische Naturpark", zeige ich ihm im Atlas. "Und hier liegt das Kosovo. Das ist gut 1000 Kilometer und ein paar Grenzen weit weg."
Noch mehr überzeugt ihn mein Hinweis auf den ADAC. Der hatte es mir sogar schriftlich gegeben: "Der Nationalpark Plitvicer Seen kann problemlos besucht werden." Gleichwohl machen sich die Touristik-Manager nach wie vor Sorgen. Vinko Bartolac, vor Ort zuständig für vier Hotels und einen Campingplatz: "Hoffentlich gibt es endlich mal wieder eine halbwegs normale Saison."
Kennen Sie Plitvice? Schon in den 20er Jahren entstand hier, 50 Kilometer Luftlinie von der dalmatinischen Küste entfernt, das erste Hotel. Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien ließ die im Rekordjahr 1988 rund 780 000 Besucher zählende Attraktion in Dornröschenschlaf versinken. Hier wüteten damals schwere Kämpfe.
Ein bisschen mulmig war mir deshalb schon, als bei Karlovac, knapp 80 km vor dem Ziel, die ersten rußgeschwärzten Ruinen am Straßenrand auftauchten. Immerhin: Die dicht daneben aus dem Boden geschossenen, oft noch unverputzten Neubauten demonstrierten Optimismus. Und spätestens an der Hotel-Rezeption waren die letzten Bedenken verflogen. Nagelneu präsentierte sich die während der Kämpfe zerstörte Anlage.
Am nächsten Tag die Entdeckungsreise. Eingebettet in eine sanft geschwungene, von dichten Wäldern aus Kiefern, Tannen und Buchen beherrschte Hügelszenerie reihen sich da auf acht km Länge, von zwei Flüssen und vielen Bächen gespeist, 16 Seen aneinander. Wie die Fußstapfen eines Urzeitriesen überbrücken sie einen Höhenunterschied von nahezu 200 m, mit nicht weniger als 60 Wasserfällen zwischen den einzelnen Stufen.
Ihren unverwechselbaren Charakter erhält diese Landschaft durch ein immer noch rätselhaftes Naturphänomen. Die Gerippe ins Wasser gestürzter Bäume sind mit leuchtenden Ablagerungen aus Kalziumkarbonat und Magnesium überzogen, aus den Fluten gefiltert von winzigen Lebewesen. Millimeter für Millimeter formen sie immer neue Barrieren, zwingen den Fluss in immer neue Kaskaden.
1949 zum Nationalpark erklärt, steht die einzigartige Seenlandschaft seit 1979 unter dem Schutz der Unesco. Mindestens einen halben, besser einen ganzen Tag empfiehlt der Reiseführer für die Besichtigung. Wir konnten uns erst nach knapp einer Woche von dem Naturwunder trennen. Immer wieder zog es uns zum blaugrün schimmernden Wasser.
Über 15 km lang sind allein die Stege aus Knüppelholz, unter denen sich, zum Greifen nah, flinke Forellen tummeln. Schier endlose Wanderwege ziehen sich an den Ufern entlang, in urigen Blockhütten wartet am offenen Kamin eine deftige Brotzeit. Elektroboote überqueren lautlos die Wasserflächen. Und am obersten See, mit 68 ha Oberfläche der zweitgrößte, wartet eine Art motorisierter Glaskutsche auf müde Touristen, um sie an einen der Eingänge zurückzubringen.
Im Juli und August wird's schon mal eng an Bord von Boot und Bahn. Dabei haben die Plitvicer Seen im Frühjahr oder Herbst ihren besonderen Reiz. Auch wenn es mal regnet oder Nebelschwaden übers Wasser ziehen. Vinko Bartolac wird nicht müde, die Nebensaison zu loben. Da gibt es in den vier Hotels jede Menge freie Betten, und auch der Campinplatz mit seinen 500 Stellplätzen bietet viele lauschige Fleckchen.
Bartolac ist, wie viele seiner Landsleute, des Lobes voll, wenn die Rede auf Deutschland kommt. "Ihr habt uns während des Krieges sehr geholfen", erzählt er im "Restoran Licka Kuca". Während sich überm offenen Holzkohlenfeuer ein Lamm dreht, berichtet er vom durch die Bundesregierung errichteten Flüchtlingslager, in dem seine Plitvicer Landsleute den Krieg überlebten. "Aber jetzt brauchen wir die Deutschen als Touristen", setzt er hinzu.
1998 wurden nur halb so viele Besucher registriert wie zehn Jahre zuvor: 350 000. Im vorigen Jahr gab es sogar einen weiteren Rückgang um 23 Prozent. Ursache: der neue Krieg im Kosovo. Im Jahr 2000 soll sich das endgültig zum Besseren wenden. "Nach dem gegenwärtigen Stand der Buchungen erwarten wir mindestens 400 000 Gäste", hofft unser Gesprächspartner. Aber warnte nicht der ADAC noch vor kurzem davor, die Wege zu verlassen? Allein die Erwähnung möglicher Gefahr durch Minen bringt Vinko Bartolac fast zur Explosion. "Dass im Naturpark die Wege nicht verlassen werden dürfen, ist doch bei euch auch nicht anders", zürnt er. Und Minen gebe es allenfalls an den ehemaligen Frontlinien, bei Karlovac, Zadar oder Sibenik.
Lieber redet er ohnehin über anderes. "Umweltschutz wird bei uns ganz groß geschrieben", erzählt er. Längst ist die ehemalige Panoramastraße entlang der Seeufer für den Verkehr gesperrt. Eine neue Zufahrt führt am Rande des Parks entlang, weitere Betten sollen nur noch außerhalb des Naturschutzgebietes entstehen, in einem dort geplanten Motel zum Beispiel.
Am liebsten wäre es Bartolac, wenn nicht nur mehr Deutsche kämen - sie sollten auch länger bleiben. Die Eintrittspreise könnten das positiv beeinflussen. Die Karten gelten auch für mehrere Tage - und schließen alle Nebenkosten ein wie Parkgebühren, das Übersetzen mit den Elektrobooten oder die Fahrt mit der Zubringerbahn.